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Zeitfahren (KOTL) mit dem Crosser? Kannst du machen, musst du aber nicht :-)

by Daniel

Ein flaches Zeitfahren wäre unter normalen Umständen wahrscheinlich so ziemlich das Unpassendste, was ich mir als Herausforderung mit dem Rennrad vorstellen kann.

Kurz zu mir:

Ich bin Bergfahrer. Wer meine Blogs hier in den letzten Jahren auf SpeedVille gelesen hat, weiß, dass es mir eigentlich nicht steil genug sein kann.

Wie dieser hier:

Dementsprechend war das 47,2 Kilometer lange King of the Lake (KOTL) Zeitfahren mit insgesamt rund knapp 200 Höhenmetern für mich in der Vergangenheit immer ein Wettkampf, bei dem ich eine Teilnahme nie ernsthaft in Erwägung gezogen habe. 

Tolle Region am Attersee

Doch durch meine oberösterreichische Freundin Kathi habe ich die Region im ersten Halbjahr 2021 sehr schätzen gelernt. 

Insofern sahen Kathi und ich das KOTL als naheliegende Möglichkeit, erstmals seit ein paar Monaten wieder einen Ausflug nach Oberösterreich zu machen. 

Das Wetter versprach – wie eigentlich immer beim KOTL – für das ganze Wochenende gut zu werden.

Frederik Böna
Freddy im SpeedVille Dress am schönen Attersee

KOTL: Europas größtes Zeitfahren am Attersee

Von Frederik Böna (@frederik_boena)

Das eröffnete uns die Möglichkeit, nicht nur beim größten Zeitfahren Europas (auf komplett gesperrten Straßen und mit Startrampe!!) teilzunehmen, sondern auch am Sonntag noch eine lange Tour durch Oberösterreich zu drehen. 

Ich selbst sah die Chance, den neuen Rahmen meines Trek Émondas mal in Sachen Aerodynamik auf die Probe zu stellen, schließlich hatte Trek das neue Émonda im Vergleich zum Vorgängermodell, das ich noch bis vor kurzem gefahren bin, aerodynamisch offenbar deutlich verbessert.

Dementsprechend freute ich mich wirklich sehr auf den KOTL..

Ich sah es auch als Formtest und als Möglichkeit, mal zu sehen, wie „gut“ ich inzwischen auch im Flachen höhere Wattzahlen drücken kann. Normalerweise tue ich mir schon schwer damit, zehn Minuten im Flachen im Sweetspot-Bereich zu fahren.

Im Flachen fallen mir die Watt eher schwer…

Entsprechend war ich gespannt, wie sich das mit Adrenalin in einem Wettkampf verhalten würde. 

Philipps Pacingstrategie sah so aus, dass ich gegen den Wind mit 95% der FTP, bei Rückenwind mit 93% und die Anstiege an der Schwelle oder knapp darüber fahren sollte.

Für ein Bergzeitfahren hätte ich das als gut machbares Pacing betrachtet.

Aber im Flachen?! Ich war gespannt. 

Am Samstag, den 18.09., um 16:24 Uhr war es so weit und ich stürzte mich mit meinem Cyclocrosser (ja, du liest richtig: mit einem Crosser) – natürlich ausgestattet mit Straßenreifen – die Startrampe hinunter. 

Vor Nervosität vergessen, den Radcomputer zu starten!

Unmittelbar nach dem Start ging es gleich einmal bergauf.

Perfekt für mich, um einen guten Rhythmus zu finden. Ich fühlte mich tatsächlich richtig gut, die Beine waren super!

Plötzlich der Schock: Ich hatte vergessen, die Aufzeichnung auf meinem Radcomputer zu starten!

Zum Glück waren es nur rund 700 Meter, das ließ sich verschmerzen. Ich ließ mich nicht aus der Ruhe bringen.

Ärgerlicherweise waren einige vor mir startende Fahrer nicht angetreten, sodass insgesamt etwa eineinhalb Minuten niemand mehr vor mir gestartet war. Ich sah also zunächst auch niemanden vor mir.

Einige Fahrer mit TT-Bikes überholten mich direkt…

Dafür kam bereits nach wenigen Kilometern der erste Fahrer mit einem Zeitfahrrad, der im Flachen mühelos an mir vorbei zog. Kurz darauf folgte der zweite.

Der Geschwindigkeitsunterschied war ziemlich groß.

Zum Glück kannte ich das Gefühl, derart von Zeitfahrern überholt zu werden, noch aus dem vergangenen Jahr von der Race around Austria Challenge, sodass ich mich davon nicht beirren ließ.

Die angestrebten 95% der FTP im Gegenwind konnte ich ziemlich gut halten, das gab Selbstvertrauen. Auch mein Puls stieg genau so, wie ich mir das erhofft hatte. Lunge und Beine arbeiteten super! 

Unser Daniel beim KOTL in 2016 (siehe Bericht)

Meinen ersten Fahrer kassierte ich nach 15 km

Nach knapp 15 Kilometern sah ich dann endlich auch den ersten Fahrer vor mir, der langsamer fuhr als ich. Auch er war mit einem Rennrad unterwegs.

Nachdem ich bereits von zwei Fahrern überholt worden war, fühlte es sich mental richtig gut an, nun selbst jemanden überholen zu können. Vor allem, da ich weitere Fahrer vor mir sah.

Endlich: Die kleinen Hügel fingen an!

Als es kurz nach der Hälfte der Strecke nicht nur wieder zurück nach Schörfling ging, sondern auch deutlich welliger wurde, hatte ich zunehmend mehr Spaß.

Meine Beine taten zwar immer mehr weh und es fiel mir nach und nach schwerer, auf den Flachstücken die Wattzahl konstant hoch zu halten, doch immer kurz bevor ich das Gefühl hatte, den Druck auf dem Pedal reduzieren zu müssen, kam wieder ein kurzer Anstieg, der mich „rettete“.

Frederik Böna
Im Hintergrund die Startrampe

In der 2. Rennhälfte ging’s durch die Hügel etwas leichter

Bergauf fiel es mir nach wie vor noch relativ leicht, knapp über meiner Schwelle zu bleiben und allein diese Tempowechsel sorgten immer wieder dafür, dass sich meine Beine danach wieder etwas besser anfühlten.

Zudem half es mir mental sehr, nun immer mehr andere Fahrer zu überholen.

Nach 30 km kassierte ich das 1. TT-Bike 😀 😀 😀

Als ich nach rund 30 Kilometern schließlich sogar den ersten Fahrer auf einem Zeitfahrrad überholte, fühlte ich mich großartig.

Die letzten Kilometer ins Ziel waren hart, richtig hart!

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Am Ende gelang es mir trotzdem, noch einmal alles aus mir herauszuholen und die letzten zwei Kilometer noch einmal knapp über meiner Schwelle zu fahren. Im Ziel angekommen, war ich dementsprechend völlig erledigt. 

Selbst ordentliche 344 Watt reichten nicht wirklich für eine Platzierung

Doch auch irgendwie stolz und zufrieden.

Immerhin hatte ich es geschafft, auf einem für mich nahezu völlig flachen Parcours über über rund eine Stunde und zehn Minuten insgesamt 344 Watt (346 Watt normalisiert) zu treten, was mir eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 40,2km/h ermöglichte. 

Hätte man mir das im Vorfeld gesagt, hätte ich es wahrscheinlich nicht für möglich gehalten. 

Glücklich und zufrieden fuhr ich mit Kathi kurz danach dieselbe Strecke, die inzwischen wieder für den Verkehr freigegeben war, noch einmal in gemütlichem Tempo. 

Kurz danach folgte die Ernüchterung! Ich war tatsächlich mit meiner Leistung, mit der ich ja eigentlich extrem zufrieden war, insgesamt „nur“ auf Platz 39 insgesamt und auf Platz 26 in meiner Altersklasse gelandet. 

Mein Setup war überhaupt nicht aerodynamisch

Ja, ich war mit dem Cyclocrossrad gefahren. Ja, ich hatte alles andere als besonders aerodynamisches Bekleidung an. Ja, ich saß auch nahezu überhaupt nicht aerodynamisch auf dem Rad. Aber hatte das wirklich einen derart großen Einfluss?!

Offenbar schon.

Ich unterhielt mich im Nachgang mit einigen Personen, die sich in Sachen Aerodynamik sehr gut auskennen und offenbar hätte es tatsächlich kein Problem sein dürfen, selbst mit rund 40 Watt im Schnitt weniger aerodynamisch optimiert, aber immer noch OHNE Zeitfahrrad, fast zehn Minuten schneller zu sein.

Ich hatte die Bedeutung der Aerodynamik völlig unterschätzt. 

Da ich ja normalerweise vor allem Wert darauf lege, schnell bergauf zu fahren, hatte ich mich schlichtweg bisher noch nie ernsthaft mit dem Thema Aerodynamik befasst. 

Fazit meines KOTL Abenteuers

Ob ich das nun tun werde?! Gute Frage. Ehrlich gesagt, weiß ich es noch nicht.

Der KOTL hat mir eigentlich so viel Spaß gemacht, dass ich davon ausgehe, dort nicht zum letzten Mal gestartet zu sein. Gleichzeitig wäre es mein Ziel, mit einer durchaus ordentlichen Wattleistung doch etwas näher an den Top-10 zu landen.

Ich werde mich also wahrscheinlich zumindest ein bisschen mit dem Thema Aerodynamik auseinandersetzen müssen und definitiv auch an einer aerodynamischeren Sitzposition im Flachen arbeiten.

Davon sollte ich dann ja zukünftig allgemein nur profitieren können, nicht nur bei flachen Zeitfahren. 

Die andere Frage ist aber natürlich, ob ich mit einer aerodynamischeren Sitzposition überhaupt in der Lage dazu sein werde, solche Wattzahlen über eine längere Zeit konstant halten zu können. 

Das gilt es in den nächsten Monaten auszuprobieren. 

Inzwischen freue ich mich sogar darüber, wieder etwas gelernt zu haben und zu wissen, wo ich mich noch sehr stark verbessern kann und eigentlich auch muss. 

Insofern war meine Teilnahme am KOTL tatsächlich genau das, was ich von ihr auch unmittelbar nach Zieleinlauf dachte: Erfolgreich! 


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Fotos: privat

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