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Schnauze voll bei 110 kg: Wie Ernst (38) jetzt für den Ötzi trainiert, um die 9:50 zu schlagen!

by Daniel

Immer wieder sehr beeindruckend für mich, diese authentischen Erfahrungsberichte zu lesen.

Als ich die Erfahrungen von Andrea (startet noch als Frau jenseits der 50 voll durch!) und Lars (hatte ebenfalls ordentlich zu viel Gewicht mit 27er BMI zu Beginn) in unserem Coaching hier auf SpeedVille veröffentlichte, schickte mir wenige Tage später unser Athlet Ernst (38) aus Berlin seine beeindruckende Geschichte.

Was ihn v.a. damals so sehr an ihm selbst störte (110 kg), dass er den Weg in unser Coaching suchte.

Wie viele andere auch, hatte Ernst etwas Mühe seine Motivation und als Konsequenz das Gewicht zu halten.

Klassiker: Denn macht man es nur für sich selbst, dann kann das dazu führen, dass man es gerne mal schleifen lässt. Interessiert ja keinen (außer einen selbst.)

Legt man hingegen Geld für einen Coach auf den Tisch sieht die Sachlage schon etwas anders aus: Zum einen sitzt da am anderen Ende einer, der sich deine Leistungen ständig anguckt und zum anderen hat man ja ein gewisses Budget investiert.

Und das soll bitte nicht für umsonst sein!

Eine gute Kombination, die dafür sorgt, dass man dranbleibt!

Und genau darüber spricht heute unser Ernst. Mit einem guten Motor ausgestattet (fuhr den Ötzi in 2015 in 9:50 Stunden), führte er in den letzten Jahren einen ständigen Kampf gegen seinen inneren Schweine- und Partyhund.

Mit dem Eintritt vor 11 Monaten hat sich das Ganze aber schnell geändert:

Mittlerweile hat er schon fast 20 kg abgenommen und strebt beim Ötztaler im nächsten Jahr eine Zeit von unter 9:50 Stunden an. Seine FTP verbesserten wir in der Zeit von 300 auf bärenstarke 350 Watt (3,8 W/kg).

Kategorie: Inspirierend!

Ernst berichtet von seinen Erfahrungen im Coaching
Ein Bild aus älteren Tagen: Schöne Haare und “schöner” Bauch :-)

Meine Reise zum Radsportler mit strukturiertem Training und Coach

Von unserem Athleten im Coaching Ernst (@hypokeimenon)

Der Tag, an dem es zu viel wurde und der Weg dorthin.

Es ist ja nicht so, dass ich noch nie in Form war auf dem Rennrad. Während meiner Zeit in Würzburg und der Mitgliedschaft bei der RSG Würzburg war das Rennradfahren durch die Hügellandschaft Unterfrankens ein essentieller Bestandteil meines Lebens.

2 Meter Größe und knapp über 90kg (Anm. von Daniel, also Windschatten wie ein LKW) standen damals zu Buche.

Niedrigstes Gewicht bis dato: 90 kg bei 2m Größe

Ergebnis von vielen Vereinsausfahrten und dem jährlichen Trainingslager in der Toskana.

2015/2016 waren damals die Höhepunkte meiner Radsportkarriere, als ich den Ötzi in 9h50min und bei den Hamburger Cyclassics die 150km unter 4h absolvierte. 

Doch wie so vieles im Leben ist nichts von ewiger Dauer.

Von einem neuen turbulenten Lebensabschnitt zu sprechen, wäre noch euphemistisch ausgedrückt.

Beruflich und privat zog es mich Ende 2017 aus Würzburg zurück in meine Geburtsstadt Berlin zurück, die ich damals anno 1986 mit meinen Eltern als Vierjähriger verlassen habe, um zwischen Schafen und den unendlichen Deichen des Nordens groß zu werden. 

Starke Teilnahme beim Ötzi
Verfügt über guten Motor: In 2015 beim Ötzi (9:50 Stunden)

Berlin tat meinem Radsport nicht gut – dem Partyleben dafür umso mehr!

Doch anstatt an die Würzburger Zeit radtechnisch anzuknüpfen wurden die ersten 1 ½ Jahre anders als gedacht.

Ich kaufte mir zwar sofort nach meinem Umzug den Wahoo Kickr2, da der Winter mittlerweile vor der Tür stand und ich ein wenig Form konservieren wollte.

Im Frühjahr 2018 stand dann genau eine Fahrt bei Zwift zu buche. Der Winter war also schon einmal verschenkt.

Stattdessen zog ich durch die Berliner Clublandschaft und setzte auch ansonsten andere Prioritäten in meinem Leben als das Fahren auf zwei Rädern.

Mein schlechtes Gewissen hielt sich in Grenzen, da ich auf meinen ersten Frühling in Berlin baute und bereit war wieder ins Training einzusteigen.

Doch auch hier: Pustekuchen.

Viel Spaß am Radsport
Training macht mehr Spaß, wenn die Zahlen stimmen!

Berlins Landschaft reizte mich nicht…

Ich fand die Landschaft langweilig, keine Hügel mehr, ewige Strecken raus aus der Stadt, in der Summe verlor das Rennrad ein zweites Mal gegen das bequeme Nachtleben in Berlin.

Zu allem Überfluss war die Restform aus Würzburg endgültig weg, ich fing verheerenderweise noch das Rauchen an und am schlimmsten war, ich war mittlerweile bei 97kg.

Ich könnte jetzt den Wendler-Jingle einspielen, denn mir war das damals fast „egaaaaaaaaaaaal“.

Als ich dann im Winter 2018 zum ersten Mal wieder die 100 kg knackte, war ich endgültig im Jan Ullrich Universum angekommen: Partys, zu viel Gewicht, Traumkombi. 


Steckbrief Ernst

Ernst ist im SpeedVille Coaching
  • Alter: 38 Jahre
  • Größe: 2 m
  • Gewicht: aktuell 91 kg
  • FTP zu Beginn vom Coaching: 300 Watt
  • FTP aktuell: ca. 350 Watt
  • Beruf: Lehrer
  • Radmarathons auf der To Do Liste:
    • Ötztaler
    • Cyclassics in Hamburg
    • Dreiländergiro
    • La Marmotte
  • Lieblingclubs in Berlin: Berghain und wilde Renate
  • Lieblingsserie: Robot, Succession
  • Lieblingsmusik: Amon Tobin, Radiohead

Als ich die 100 kg knackte war mir zunächst alles egal

Meine einzige Erinnerung ans Radeln waren ein paar Ausfahrten während des Sommers, bei denen ich so schnaufte, wenn ich auch nur in der Nähe des 30er Schnitts war.

2019 sollte daher die Wende bringen, wie auch schon das letzte Jahr.

Wende in 2019 – v.a. dank Zwift!

Ich kam mit ein paar Zwift-Programmen nicht ganz ohne Radelei aus dem Winter, Gewichtstechnisch war ich aber immer noch im +100er Bereich, und das nicht einmal knapp.

Im April wollte ich dann in meiner alten Heimat Würzburg ein kleines Minitrainingslager machen, fuhr mit meinen alten Kameraden und einer Freundin, die ich damals zum Rennradfahren brachte.

Was ich dort erlebte, kann man durchaus als ernüchternd beschreiben.

Meine alten Mitstreiter erkannten mich kaum wieder hinter meiner Plauze und die Freundin zog mich aber bei jedem noch so kleinen Hügel sowas von ab.

Ernst Rieger
Im alten Trikot der RSG Würzburg

Genervt von der eigenen Faulheit

Ich war enttäuscht und wütend auf mich, fing wieder öfter an zu trainieren, fuhr schnelle Gruppenausfahrten in Berlin mit und war sogar wieder in einem Dolomitentrainingslager, und das mit 102Kg.

Ich wurde wieder besser, aber war noch weit entfernt von den alten Leistungen.

Dennoch schloss ich endlich wieder eine Saison mit mehr als 4000km ab. Immerhin.

Was dann passierte, gehört dann leider wieder in die Kategorie „wie das Leben so spielt“.

Privater und beruflicher Stress kamen, den ich leider nicht mit Sport, sondern mit Essen und Zigaretten (und dem einen oder anderen Hefeweizen) kompensierte.

Die ganze Arbeit des Sommers dahin und Weihnachten stand noch vor der Tür.

Und wieder einmal ließ ich es mir gutgehen, fühlte mich aber gleichzeitig auch merklich unwohler von Tag zu Tag unter meinem gut geschnittenen Wollpulli.

Bei 110 kg ist Schluss: Ich entschied mich am 26.12. ins SpeedVille Coaching zu gehen

Es ist der 26. Dezember 2019.

Irgendwo in der Nähe von Hannover bei meinen Schwiegereltern in spe, irgendwann in den Morgenstunden, Zähneputzen und dann der Gang auf die Waage….110kg. 

Der absolute Tiefpunkt war erreicht.

Ich war schockiert, traurig und unzufrieden. Irgendetwas musste passieren. Alleine schien ich da nicht rauszukommen. Manchmal braucht man eben den Druck von außen.

Mit der manchmal nötigen Wut im Bauch

Der Blick nach draußen:

Eisiger Schneeregen, um die 0 Grad. Ich musste trotzdem raus. Turnschuhe an, Sportklamotten geliehen (soweit das ging) und einfach drauf los gejoggt.

Zu Hause lachte meine Freundin noch, als ich ihr sagte, dass es mindestens 8 km werden sollten. „Ich habe dich noch nie joggen gesehen“, sagte sie.

Das war Motivation genug.

Ich konnte nicht mehr aufhören, auch wenn Eis und Schnee mir ins Gesicht peitschten, aus den geplanten 8 wurden 16, das Tempo war sogar relativ gut und ein wenig der Wut in mir geschuldet.

Ich wusste, heute war der erste Tag einer echten Wende (die diversen Muskelkater in den darauffolgenden Tagen haben dem Neuanfang Gott sei Dank keinen Abbruch getan). 

Zwei Tage später ploppte folgende E-Mail in einem Postfach auf: 


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Richtig trainieren für harte Radmarathons wie den Ötztaler!

Das wirst du u.a. alles “rausziehen” können (für komplett umme)…

  • wie strukturiert man das Training, um sich maximal effizient auf harten Radmarathons vorzubereiten?
  • warum es Sinn macht, im Sommer noch ein Zwischentrainingslager einzulegen
  • wie viel Trainingskilometer man benötigt, um in die Top 300 zu fahren oder um “mit Würde” zu finishen?
  • mit welcher Zeit kann ich realistisch beim Ötzi finishen?
  • was musst du an Watt leisten, um den Ötzi ganz weit vorne zu finishen (Top 100)?

Erste Mail am 28.12. von Coach Philipp

Hallo Ernst,

Frohe Festtage auch dir. Ich hoffe dir geht es gut und du bist bereit für den Trainingsstart in unserem Coaching

[…]
viele Grüße,

Dein Coach,
Philipp


Diese neue Reise sollte am 2. Januar beginnen und ich war hochmotiviert den 110 kg auf Nimmerwiedersehen zu sagen.

Für jemanden, der schon seit den Kindertagen die Tour de France und eigentlich alle anderen Radrennen geschaut hatte, irgendwann mit 14 mit dem Rennradeln anfing (doch das ist eine andere Geschichte), musste sich etwas ändern, wenn ich nicht wie alter griesgrämiger Sesselexperte enden wollte.

Spoiler: Während ich meinen ersten Blog schreibe, fühle ich mich definitiv leichter als vor einem Jahr. Dazu dann später mehr im zweiten Teil. Ein bisschen können wir vorwegnehmen, es sind fast 20 Kilo runter :-)

Euer Ernst


Fotos: privat

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