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Rennbericht Hamburg Cyclassics | 5 Gründe, warum dieses Rennen genau mein Ding ist!

by Daniel

Warum bin ich nicht schon früher bei den Cyclassics an den Start gegangen? Ziemlich flach, sehr schnell. Fast hätte es bei meiner Premiere sogar mit einer vorderen Platzierung geklappt, wenn da nicht diese vorletzte Kurve gewesen wäre – gerade mal eineinhalb Kilometer vor dem Ziel.

Cyclassics Hamburg

Deutscher Meister Pascal Ackermann bei den Cyclassics

„Und, hast du wieder Blut geleckt?“

Es ist Sonntagnachmittag, wenige Stunden nach den Cyclassics, als mir Coach Philipp Diegner diese Frage per SMS (ja, korrekt, eine oldschool SMS!!!) schickte.

Kurz zuvor hatte ich ihm versucht, in 160 Zeichen meinen Rennverlauf zu beschreiben.

War gar nicht so einfach, voll mit Adrenalin bis unter die Decke.

Der Rennverlauf lässt sich mit ein paar Tagen Abstand dann aber doch recht einfach beschreiben:

Mann, hat das Spaß gemacht!

Und: Da wäre sogar richtig was drin gewesen!

Rennbericht: Cyclassics Hamburg

Cyclassics Hamburg

Radsportvolksfest für jung und etwas älter

Bis ca. eineinhalb Kilometer vorm Ziel war ich noch unter den ersten 10-15 mit dabei, noch nicht mal der Kösterberg konnte mich im aktuell überschaubar trainierten Zustand aus der Führungsgruppe rausschütteln – mein absolutes Highlight aber im Anschluss:

Ich führte das Feld kurz über die abgesperrte Reeperbahn auf St. Pauli an.

Nochmal…. Über die Reeperbahn. Alter Schwede war das cool!!!!

Da bin ich früher als Teenager per Schülerferienticket hingefahren, um mal was von der großen, weiten Welt zu sehen!

Heute knalle ich über selbige, natürlich komplett abgesperrt, als Erster eines Radrennens mit mehreren tausend Teilnehmern rüber!

Geht es noch geiler???

Etwas zu früh gefreut.

Als sich dann kurze Zeit später, in der vorletzten scharfen Kurve vorm Ziel, 2-3 Mann DIREKT vor mir verbremsten, und einige Fahrer mit in die Absperrgitter zogen, da war es dahin.

5-10 Fahrer wird es wohl erwischt haben. Wer weiß das schon so genau, es ist ja alles wie im Rausch!

Ausweichmanöver in der vorletzten Kurve

Ich konnte zum Glück noch ausweichen, musste aber eine amtliche Vollbremsung hinlegen, bei der die Hinterbremse meines Stevens Leihrads (DANKE Freddy!!!) komplett zumachte – was ich im entsprechenden Adrenalinrausch natürlich nicht merkte.

Wer stellt sich da auch hin und checkt erstmal sein Bike, ob nach so einem Manöver die Bremse auch ordentlich funktioniert???

Also, wieder rein in die Pedale, und gib ihm!

Ich versuchte noch kurz per Vollsprint an die Gruppe ran zu kommen, die in Windeseile ein paar hundert Meter Vorsprung hatte, wunderte mich aber, dass es auf einmal nicht mehr so lief, bzw. dass der Gang jetzt so „hart“ war.

Is klar. Bremse zu und so.

Egal, mega geil war es trotzdem, dazu später aber noch mehr.

Wirft aber zugleich die Frage auf:

Mensch, Müller, warum warst du nicht schon eher da oben? Wenn du trotz Babypause soweit vorne mitfahren kannst, wie wäre es dann gewesen, wenn du richtig fit wärest?

Berechtigte Frage.

In der folgenden Review meine Aufarbeitung eines wirklich grandiosen Wochenendes bei den Cyclassics in Hamburg.

Als Ergänzung habe ich noch das Feedback von drei aktiven Teilnehmern integriert, was waren ihre Erfahrungen bei den Cyclassics 2018? Welche Verbesserungsvorschläge würden sie aussprechen? Und welche Tipps geben sie allen Interessenten für 2019 mit an die Hand?

Starten wir mit meinen Highlights eines wirklich fantastischen Radsportwochenendes – fünf Gründe, warum ich nächstes Jahr im fitten Zustand unbedingt da hin muss!

1) Schnelles Radrennen inmitten einer der schönsten Städte Deutschlands

Cyclassics Hamburg

Rad Race Battle auf der Mönckebergstraße

Hamburg ist fett. Nicht irgendein Dorf in der Wallachei, wir reden von Deutschlands zweitgrößter und, für viele, erstschönster Stadt.

Bereits am Freitag fuhr ich nach meiner Ankunft mit dem ICE von München per anschließendem Linienbus direkt an der Mönckebergstraße vorbei und sah all die Absperrgitter, die die Jungs und Mädels vom Ironman gerade dabei waren, aufzubauen.

Wer noch nicht in Hamburg war und mit der Mönckebergstraße nicht so viel anfangen kann, das ist in etwa in einer Liga mit der Kaufingerstraße in München, der Schildergasse in Köln oder dem Kurfürstendamm in Berlin.

Also, richtig dick mittendrin.

Die werden doch nicht etwa???

Und ob die werden.

Nochmal kurz zum Verständnis: Das ist nicht irgendwo am Stadtrand einer größeren Stadt, wo es nach ein paar Metern direkt aufs Land geht, wir reden vom absoluten Stadtkern der zweitgrößten deutschen Stadt mit zigtausenden von Fußgängern etc.!!

Wie krass ist das eigentlich???

Ich war ja schön öfter in Hamburg, aber wenn man dann sieht, wie das Zentrum dieser Millionenmetropole zum Epizentrum des Radsports wird, die Bike-Expo wird direkt vorm Hamburger Rathaus abgehalten, dann ist das ein sehr schönes Gefühl – und wirft zeitgleich die Frage auf, warum es so etwas z.B. nicht in München gibt, da könnte man sicherlich auch ein geiles Radrennen veranstalten.

Ich vermute mal ganz stark, dass die Politik hier nicht mitspielt, interessierte Veranstalter dürfte es dafür zuhauf geben!

Kai Rapp, damals noch bei Lagardère (heute Zwift-PR Deutschland) ließ in unserem Interview vor ein paar Jahren ein paar Aussagen zu dem Thema raus.

2) Schöneres Umland als gedacht – auch für Radfahrer

Cyclassics Hamburg

Es roch nach Nordsee – und ein bisschen Fisch

Eine echte Überraschung war für mich das Hamburger Umland.

Sehr, sehr schön und vor allem sehr entspannt!

Gut, beim Rennen der 60k-Strecke war alles abgesperrt, das kann man jetzt schwer vergleichen.

Aber im Rahmen von zwei Ausfahrten, die Philipp Diegner und ich am Fr. u.a. mit Marcus Burkhardt und einer größeren Truppe der Cyclassics abhielten, am Sa. fuhren Philipp und ich nochmal mit einigen unseren Trainingsathleten, da war ich doch sehr überrascht, wie schön es sich am Deich in südöstlicher Richtung, grob gen Geesthacht, fahren lässt.

Warum?

  • sehr viel Wasser drumherum
  • Nordsee-Feeling mit den Schaafen am Deich
  • kaum bis kein Autoverkehr
  • sehr grün

Klar, die meisten Radfahrer zieht es in die Gebirge, auch ich würde einen Radurlaub im Gebirge, dem hinterm Deich vorziehen, aber für ein Wochenende war das schon sehr cool! Vor allem, weil mal was Neues!

3) Große Radsporttradition in Hamburg

Cyclassics Hamburg

Weltmeister Sagan in Hamburg

Das ist ein Gefühl und lässt sich nicht direkt belegen.

Insbesondere aber, wenn man aus München kommt, dann merkt man in gewissen Regionen in Deutschland, dass dort mehr Zusammenhalt unter Radsportlern herrscht.

Es wird mehr in Gruppen gefahren, es gibt mehr Vereine, mehr gegenseitiges Gegrüße, mehr Respekt!

Neben Köln, wo ich dieses obige Gefühl auch immer verspüre, war es in Hamburg sehr ähnlich – deutlich harmonischer als in München.

Wer das liest, mag jetzt wohl denken, dass ich München nicht sonderlich mag. Da habt ihr verdammt Recht!!!

Nein, kleiner Scherz, das stimmt so natürlich nicht, ich finde aber, dass die Münchner Radszene extrem fragmentiert ist, oder um es in bayrisch zu sagen:

Jeder gschaftelt so vor sich hin!

Kommen wir zu den Cyclassics selbst, und warum sie mir in die Karten spielen könnten…

4) Flaches Rennen für Wattviecher

Wenn ich richtig fit bin, würde ich mir durchaus zutrauen, bei den Cyclassics unter die ersten zehn zu fahren. Zumindest auf der 60er-Strecke.

Wie es bei der 100er-Strecke mit ca. 520 Höhenmetern gewesen wäre, kann ich nicht sagen, aber auf der 60er, da dürfte schon was gehen.

Top 10, gewagte Aussage, oder?

Naja, meine FTP aus 2016 von 330 Watt dürften mir auf dem flachen Kurs in die Karten spielen, das Gewicht ist nicht der entscheidende Faktor in Hamburg.

Selbst beim Kösterberg mit seinen ca. 70 Höhenmetern war ich überrascht, dass bei unserer 60er-Runde keiner versuchte auszubrechen und die 16-17 km per Soloflucht ins Ziel zu retten.

Vielleicht hat es ja einer versucht, mir fiel ca. 10-20 m hinter der Spitze am Kösterberg aber nichts auf.

Das Interessante am Kösterberg ist aber die machbare Distanz ins Ziel

These: Ich würde mal glatt behaupten, dass das Feld in diesen ca. 20-25 min. bis ins Ziel keine 320-330 Watt tritt.

Im Prinzip ein klassischer Fall für einen wie Christian Müller.

Wenn er mal einen Vorsprung von 20-30 m herausgefahren hat, dürfte es brutal schwer werden, ihn wieder zu stellen. Vor allem für Einzelfahrer ohne Team.

Bei uns haben es nach dem Kösterberg ein paar immer wieder probiert, nach wenigen Minuten hatte das Feld sie aber regelmäßig wieder geschluckt, es wäre mal interessant an der Stelle die Wattwerte der Beteiligten zu kennen.

Denn hier greift mal wieder die alte Jedermannregel:

Es will keiner für den anderen arbeiten!

In der Regel gibt es hier ja keine organisierten Teams, zumindest fielen mir auf der 60er-Runde, bis auf Eiscafé Venezia in pink, keins auf.

Für starke Zeitfahrer wie z.B. Christian Müller oder Tom Walther dürfte der Kösterberg die perfekte Gelegenheit sein.

Oder, Jungs?

Cyclassics Hamburg

Schönes, abgesperrtes Hamburg

5) Anschließendes Profirennen

Das i-Tüpfelchen an dem Wochenende.

Wer am Freitag oder Samstag seine letzten Runden vorm Rennen am Deich dreht, der wird mit sehr, sehr hoher Wahrscheinlichkeit zahlreiche Profifahrer treffen, die vorm Rennen ebenfalls nochmal eine letzte Belastung einstreuen.

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Bei meiner Runde am Samstag hatte ich die Ehre, das Team Katusha mit Nils Politt & Co. anzutreffen, definitiv ein cooles Gefühl und auch eine krasse Aufwertung für das Jedermannrennen, dass die weltbesten Radprofis mit einem starken Sprinterfeld hier an den Start gehen.

Weiterer Vorteil für uns Jedermänner ist natürlich, dass durch das Profirennen, ähnlich wie bei Rund um Köln, einfach mehr Zuschauer an die Strecke kommen.

Die Stimmung dadurch nochmal aufgeladener, einfach viel geiler!

In Summe war das Wochenende in Hamburg wirklich eins meiner schönsten Radsportwochenenden bis dato.

Kante war auch am Start, er ist die 100er-Strecke gefahren, abends dann mit ihm in Pauli oder in der Schanze beim Bierchen sitzen und lustig rumschwadronieren – einfach nur Zucker!

Ich bin zwar auch ein Fan von den „kleineren“ Veranstaltungen, die etwas gemütlicher zugehen, aber für ein Wochenende mal so richtig einen raushauen in Deutschlands zweitgrößter Stadt, das ist schon wirklich genial!

Bevor wir uns Sonntagabend noch ein Bierchen gegönnt haben, saßen Kante und ich noch bei einem Postrace-Kaffee zusammen und haben diese zwei Videos (unseren Youtube Kanal abonnieren!) aufgenommen – vollkommen angedetscht von der vorigen Anstrengung des Rennens.

Teil 1 – Kante hat keine Liebe für Österreich

Teil 2 – wie wir Bergziegen demnächst nass machen!

Wie verliefen die Cyclassics für die drei SpeedVille Leser?

Im Intro hatte ich ja erwähnt, dass ich weitere Teilnehmer nach ihrer Meinung fragen werde. Frank und Tino gingen als SpeedVille Reporter an den Start – SpeedVille Trainingsathlet Heiko, der von Philipp fitgemacht wird, stellte sich ebenfalls meinen Fragen…

Vielen Dank dafür nochmal, Jungs!

Also, wie verlief ihr Rennen? Was ist der Reiz für sie an den Cyclassics? Was könnte man noch optimieren? Warum sollten alle Newbies da mal mitmachen in 2019?

  • Heiko Katzler
  • Frank Tasche
  • Tino Ole

Ich habe ihnen die gleichen Fragen gestellt, hier ihre getrennt voneinander gegebenen Antworten. Quasi wie bei Herzblatt.

Cyclassics Hamburg

Cyclassics Hamburg

(li. mit Philipp Diegner, re. mit Fischbrötchen)

1) Bei welcher Strecke bist du an den Start gegangen?

Heiko Katzler: 160 km.

Frank Tasche: 160 km.

Tino Ole: 100 km.

2) War es deine erste Teilnahme bei den Cyclassics? Wenn nein, die wievielte?

Heiko Katzler: Nein, es war meine 4. Teilnahme seit 2015. Immer die lange Strecke.

Frank Tasche: Zweite Teilnahme. Letztes Jahr die 120er.

Tino Ole: Es war die fünfte Teilnahme nach 2010, 2011, 2013 und 2015.

3) Was macht für dich den Reiz des Rennens aus?

Heiko Katzler: Schnell, flach, dass ist genau das richtige für mich. Dazu kommt noch die sehr gute Kennzeichnung von Gefahrenstellen, gefährlichen Kurven und Kreisverkehren.

Dann natürlich noch die Fahrt über die Reeperbahn und die Zielgerade auf der Mönckebergstraße.

Frank Tasche: Hamburg als Austragungsort, die größtenteils sehr gute Absperrung der Strecke und dadurch ein hohes Tempo.

Im Verhältnis zahlreiche Zuschauer und die Rad-Freundlichkeit an sich. Berlin ist ja durchaus vergleichbar, aber da hat man doch an der einen oder anderen Stelle das Gefühlt gehabt, als RadRENNfahrer eher Fremdkörper zu sein.

Während in HH, angefangen vom Hotel, dich alle willkommen heißen und kaum negative Äußerungen auf Grund der starken Radfahrerpräsenz kommen.

Tino Ole: Die Atmosphäre mit den Zuschauern an der Strecke ist der Hammer und die Cyclassics sind immer Garantie für eine Bestzeit bzw. besten Schnitt zu fahren. Hamburg ist auch neben der Strecke immer ein Erlebnis – und somit eine Reise wert.

Cyclassics Hamburg

Ausfahrt mit Trainingsathleten und Philipp Diegner (li.)

4) Beschreibe deinen Rennverlauf.

Heiko Katzler: Aus Startblock A heraus habe ich gleich versucht mich unter die erst 15 Fahrer zu mischen, um dem hektischen Treiben aus der Stadt heraus zu entkommen.

Leider habe ich es verpasst, nach ca. 25 km in der 11-köpfigen Spitzengruppe dabei zu sein. Auch im weiteren Rennverlauf war ich oft unter den ersten 10 der Verfolgergruppe zu finden, das hat das Rennen für mich entspannter gemacht, als im breiten Pulk über die ganze Straßenbreite mittendrin zu sein.

Es kam so nie große Hektik oder brenzlige Situationen auf. Auf den letzten 2 km war ich dann nicht mehr unter den ersten 15 Fahrern positioniert, was sich bis zum Ziel auch nicht mehr ohne großes Risiko hätte korrigieren lassen.

Alle müssen ja am nächsten Tag wieder zur Arbeit.

Lieber etwas weniger Risiko gehen, als zum Ende hin noch in den Absperrgittern zu landen. Es hat dann immerhin noch zu Platz 23 Gesamt und AK Senioren 2 zu Platz 6 gereicht. Ich war mehr als zufrieden.

Es war auch ziemlich schnell, mit 42,7km/h auf 163 km.

Frank Tasche: Start aus Block A erwartungsgemäß hektisch. Danach leider im entscheidenden Moment ein Stück zu weit hinten gewesen und zu spät mitbekommen, dass die Gruppe vorne weggegangen ist.

Hätte ich ehrlich gesagt so früh auch nicht mit gerechnet, weil ab KM 50 dann ja 80 Kilometer Gegenwind angesagt waren.

Wäre eigentlich genau mein Ding gewesen. Schönes Tempo bolzen in ner kleinen Gruppe.

Naja, danach dann Abhängen im Peloton.

Den Sinn dieser Barken, die zwischendurch mal die Straße mittig getrennt haben, habe ich nicht verstanden. Hat für reichlich gefährliche Situationen gesorgt.

Hinten raus dann immer wieder gefährliche Situationen durch Tempoverschleppung und nachlassende Konzentration. Solange man schnell und langgezogen fährt, passiert eigentlich nix.

Als ich nach vorne wollte, um das Tempo wieder anzuziehen erwischt es mich dann durch eine kleine Unachtsamkeit eines zur Seite rausfahrenden Fahrers auf gerader Strecke ungefähr in Holm.

Kurz vorher schon ein größerer Sturz, den ich zum Glück nur gehört habe und dann liegen wir mit 5-6 Mann auf der Straße. Streckenposten und Anwohner kümmern sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten sehr liebenswert.

Nach 5 Minuten hab ich mich und das Fahrrad wieder soweit klar, weiter zu fahren. Aber Peloton und Verfolgergruppe sind da natürlich durch gerauscht.

Andere der Sturzopfer können leider nicht weiter. Soweit ich es beurteilen konnte, hat es aber zumindest körperlich keinen ernsthafter erwischt.

Bei mir sind es ein paar Schürfwunden und blaue Flecken. Also, Adrenalinmodus und Rennmodus wieder auf ON und weiter im Programm. Man(n) will ja auch die Freundin im Ziel nicht zu lange warten lassen.

Da du dich ja gerne mit Wattwerten beschäftigst: Die 40 Minuten bis zum Finish mit über 300 Watt und NP 318 Watt im Einzelzeitfahrmodus ins Ziel.

Für die Psyche kann ich nen paar geplatzte Fahrer immerhin noch überholen. Der Zielbereich ist dann allerdings durch die 100er-Fahrer so voll, dass Gas geben keinen Spaß mehr macht.

Trotzdem ist der Part des Rennens an diesem Tag für mich der spaßigste, weil man viel mehr von der tollen Strecke und den toll anfeuernden Zuschauern am Rand mitbekommt.

Keine Hektik und mal Zeit mit Kindern abzuklatschen und den Ausblick zu genießen.

Kurz überlege ich nen paar Selfies auf der Reeperbahn zu schießen, aber da mein Lenker immer noch etwas schief steht, ist mir das Risiko dann doch zu hoch.

Tino Ole: Mit Start aus Block E haben sich ca. 30 Fahrer gefunden die ordentlich Tempo gemacht haben.

Roter Bereich war angesagt und die Tachonadel zeigte einen 45er-Schnitt an bis Kilometer 30.

Dann wurde etwas ruhiger gefahren und am Streckenrand konnte man die Anwohner beim gemeinsamen Frühstück wahrnehmen.

Die Stimmung an der Strecke war grandios, auch weit über die hamburgische Landesgrenze hinaus. Es folgten weitere Ortsdurchfahrten mit teilweise einseitig gesperrter Straße, hier hieß es besonders aufzupassen.

Das ein oder andere Loch musste ich dann wieder zu fahren, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Es wurden weitere Fahrer aus den vorderen Blöcken überholt und hier muss man immer alles gut im Auge behalten, um die Gruppe nicht zu verlieren.

Ab Kilometer 80 wurde das Tempo gedrosselt, viele Fahrer wollten, oder konnten nicht mehr im Wind fahren. Auf den letzten 6 Kilometern konnte man die Runde noch mal genießen und die letzten 300 Meter sind einfach nur Gänsehautfeeling auf der Mönckebergstraße.

Am Ende waren es für mich die schnellsten Cyclassics mit einem Stundenmittel von 40,7 km/h.

5) Gibt es von deiner Seite noch umsetzbare Verbesserungsvorschläge?

Heiko Katzler: Die Medallienausgabe und der Erdinger Ausschank fand ich in den Jahren zuvor besser.

Das war dieses Jahr ein ziemliches Gedränge und der Weg zurück durch die ankommenden Fahrer war nur sehr möglich. Nicht zu viel über kleine Wirtschaftswege fahren. Vielleicht kann man mehr auf Kreis- und Landstraßen ausweichen.

Frank Tasche: Die Streckenführung auf der 100er-Strecke war doch in Teilen sehr eng. Hier wird’s für große Gruppen dann unnötig eng.

Ist mir aber auch klar, dass es nicht immer anders geht.

Finisherpix als Bilderdienst ist echt mies. Ich weiß, die sind Teil der Ironman-Gruppe und daher gesetzt, aber wenn die Lenkernummer nicht erkannt wird, hat man keine Möglichkeit seine Bilder irgendwie zu finden.

NEIN, mich durch 120.000 unsortierte Bilder im mini Format durchzuklicken, ist für mich keine Möglichkeit.

Ein GPS Abgleich, ala Sportograf, ist in der Hinsicht einfach unschlagbar. Aber selbst ohne GPS haben die wenigstens ne Sortierung nach Standort und Zeit.

Last but not least:

Entzerrung der Starterfelder.
Letztes Jahr sind wir schon als 120er auf die 180er aufgefahren, was die Rennsituation sehr unübersichtlich und hektisch gemacht hat.

Sprint im Zielbereich mega gefährlich, weil jede Menge 100er Fahrer im RTF Modus unterwegs, die einfach nicht mehr mit schnellen Fahrern rechnen.

Ist schwierig, ich weiß, aber hier müsste man sich definitiv was überlegen, wie man für die „Rennfahrer“ faire und sichere Bedingungen schaffen kann. Oder von vorneherein auf Platzierungen in der Jedermann-Kategorie verzichten.

Tino Ole: Nein.

6) Welche Tipps würdest du allen Interessierten auf den Weg geben, die im nächsten Jahr an den Start gehen möchten?

 Heiko Katzler: Einfach mal mitfahren.

Auch die 100er-Runde, denke ich, ist für jeden Rennradfahrer, der halbwegs trainiert ist machbar. Und im Sog der Gruppe ist es noch einfacher als alleine.

Frank Tasche: Habt Spaß und, falls ihr wie ein Bekannter im Auto pennen wollt: Parkt nicht zu nah am Zentrum. In HH ist Samstagnachts einfach nie Ruhe J

Tino Ole: Für Fahranfänger ist das Fahren in der Gruppe nicht immer leicht und erfordert ein wenig Erfahrung, die sollte man sich bei örtlichen RTF Veranstaltungen einholen.

Die flache Strecke bringt hohes Tempo mit sich und kann nur durch Gegenwind gebremst werden. Also, Kopf runter und Hände in den Unterlenker.

Fotos: Getty Images for EuroEyes Cyclassics, Joern Pollex, Alexander Koerner, Daniel Müller

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