Home » Kategorien » Tipps & Tests » Ketone im Radsport: Was bringt das? Was sind die Risiken?

Ketone im Radsport: Was bringt das? Was sind die Risiken?

by Daniel

Ketone hier, Ketone da!

Während der jüngsten Tour de France kam das Thema immer wieder zur Sprache – v.a. im Zusammenhang mit der Dominanz des Teams Jumbo Visma.

Unser Redakteur Frederik Böna nimmt sich im heutigen Blog des Themas an und gibt uns eine sehr ausführliche A-Z Info über die Vor- und Nachteile von Ketonen in Training und Wettkampf.

Kritisches Thema: Wir gehen ebenfalls der Frage nach, ob Ketone als Doping einzuordnen sind und ob man mit einem Verbot in den nächsten Jahren rechnen kann.


Ketone im Radsport
Was bringen Ketone? Was sind die Risiken?

Ketone im Radsport von A-Z

Von Frederik Böna (@frederik_boena)

Seit der Tour de France 2012, die der Brite Bradley Wiggins gewann, wurde die Grande Boucle bis ins Jahr 2019 hinein vom Team Sky bzw. Ineos dominiert. 

Lediglich im Jahr 2014 wurde diese Vormachtstellung durch den Sieg des Italieners Vincenzo Nibali, der damals für das kasachische Team Astana fuhr, unterbrochen. 

Bereits im vergangenen Jahr deutete sich allerdings an, dass das Team Ineos die Tour nicht mehr nach Belieben dominieren konnte – trotz eines Doppelsieges von Egan Bernal und Geraint Thomas am Ende. 

Das Aufkommen des Teams Jumbo

Das niederländische Team Jumbo-Visma wirkte über die dreiwöchige Rundfahrt teilweise mindestens genauso stark wie das Team Ineos und hatte mit Primoz Roglic und Steven Kruijswijk auch zwei Fahrer in seinen Reihen, die bis zum Schluss um das Podium kämpften und in Person von Steven Kruijswijk letztendlich auch Rang drei belegten.

Was sich während der Tour 2019 bereits im Ansatz vermuten und bereits zu Beginn der Saison 2020 erahnen ließ, bewahrheitete sich während der diesjährigen TDF: 

Das Team Jumbo-Visma war dem Team Ineos Grenadiers nicht nur ebenbürtig, sondern inzwischen sogar deutlich überlegen.

Dominanz bei der TDF 2020

Verantwortlich hierfür war mit Sicherheit eine sehr erfolgreiche Zusammenstellung des Teams, das u.a. mit Tom Dumoulin, dem Sieger des Giro d’Italias 2018, verstärkt worden war, der vor allem für (Edel) Helferdienste vorgesehen war.

Erstaunlich war allerdings, mit welcher Selbstverständlichkeit Fahrer wie Allrounder Wout van Aert selbst im Hochgebirge noch das Tempo diktieren konnten und dabei immer wieder Bergfahrer wie Nairo Quintana oder Egan Bernal in Schwierigkeiten bringen konnten.

Immer wieder die Erwähnung der Ketone…

Sicherlich gibt es zahlreiche Gründe, die dafür gesorgt haben, dass Jumbo-Visma bei der diesjährigen Tour das dominierende Team darstellte.

Auffällig ist jedoch, wie oft im Zusammenhang mit Jumbo-Visma die Nahrungsergänzungsmittel Ketone zur Sprache kommen. 

Zwar ist davon auszugehen, dass auch andere Profiteams auf Ketone setzen, allerdings steht kein Team so offen dazu, wie dies bei Jumbo-Visma der Fall ist.

Doch was sind diese Ketone überhaupt und sind sie tatsächlich dazu in der Lage, die Leistungsfähigkeit zu erhöhen?

Diese Frage gehen wir im heutigen Blogpost hier auf SpeedVille nach.

Was sind eigentlich Ketone?

Kurz zusammengefasst produziert der menschliche Körper aus Fettsäuren in der Leber Ketone, wenn die eigenen Glukosevorräte aufgebraucht sind, dadurch keine Kohlenhydrate mehr zum Verbrennen zur Verfügung stehen und der Körper nach wie vor noch Energie benötigt. 

Durch die Produktion von Ketonen wird die Verbrennung von Fettreserven in den Zellen angeregt, aus denen dann weitere Energie bezogen werden kann. 

4. Energielieferant neben Fett, Kohlenhydraten & Proteinen

Ketone sind damit gewissermaßen körpereigene Energiereserven, die auf Fett basieren und sowohl vom Gehirn, als auch von den Muskeln genutzt werden können.

Ähnlich wie aus Kohlenhydraten, Fett und Proteinen kann also der Körper auch mit Ketonen mit Energie versorgt werden. 

Ketone gelten daher als vierte Art der Energieversorgung.

Evolutionär gesehen, sollen die gebildeten Ketone sicher stellen, dass der menschliche Körper auch dann noch funktioniert, wenn er längere Zeit keine oder nur sehr wenig kohlenhydratreiche Nahrung bekommen hat.

Werden nun synthetisch hergestellte Ketonpräparate zugeführt, erhält der Körper auch bei einer ausgewogenen Ernährung durch die Ketone einen zusätzlichen Energieschub, so die Theorie, was sich insbesondere auf längere intensive Belastungen positiv auswirken soll. 

Ketone werden (aktuell noch) nicht als Doping eingestuft

Die Glykogenspeicher sollen dadurch trotz hoher körperlicher Belastung möglichst lange geschont werden können.

Eingenommen werden Ketone immer in flüssiger oder pulvriger Form, in der Regel jedoch als Drink. Sie gelten nicht als Doping und sind dementsprechend auch nicht verboten. 

Der Einzug von Ketonen in den Radsport

Ketone spielen in der Medizin bereits seit den 1920er Jahre eine Rolle. 

Zwar ging es damals noch nicht um die Einnahme synthetischer Ketone, allerdings hatten Wissenschaftler herausgefunden, dass sehr eine sehr kohlenhydratarme Ernährung und auch konsequentes Fasten über einen längeren Zeitraum zur Bildung von Ketonen in der Leber führen und sich der Körper in den Zustand der sogenannten Ketose begibt. 

Diese Ernährungsform, die als ketogene Diät bezeichnet wird, führte zu erstaunlichen Erfolgen bei der Behandlung von Kindern mit Epilepsie und anderen Stoffwechselerkrankungen. 

Grundsätzlich sehen Wissenschaftler heute eine ketogene Diät aufgrund seiner Unausgewogenheit für gesunde Menschen eher als kritisch an. 


Weiterer heißer Lesetipp!

>> 75 Rezepte vom Profi-Ernährungsberater: Richtig ernähren im Radsport (hier klicken zum Download!)


Ketogene Diät v.a. bei Epilepsiepatienten erfolgreich

Lediglich zur Behandlung von Epilepsie gilt eine ketogene Ernährung nach wie vor noch als erfolgreiche Therapieform.

Die industrielle Herstellung von Ketonen gelang zu Beginn des 21. Jahrhunderts erstmals britischen Wissenschaftlern.

Kurz darauf wurden Ketone in Form eines Ketongetränks dafür eingesetzt, amerikanische Soldaten im Krieg leistungsfähiger zu machen. 

Sich stärker, konzentrierter und frischer fühlen…

Da das subjektive Empfinden der Soldaten vielversprechend war und sie sich deutlich stärker, konzentrierter und frischer fühlten, kamen diese Ketongetränke bald darauf auch immer mehr im Leistungssport zum Einsatz. 

Die ersten Profisportler, die synthetische Ketone als Nahrungsergänzungsmittel testeten, waren britische Ruderer und Radsportler. 

Da es aber bei Radsportlern mehr als in den meisten anderen Sportarten darauf ankommt, möglichst lange möglichst viel Energie in Form von Kohlenhydraten sparen zu können, setzten sich insbesondere im professionellen Radsport seit 2012 Ketone immer mehr durch.


Wie werden Ketone eingenommen?

Eine strikte Vorgabe, wie und wann Ketone eingenommen werden sollen, gibt es im Prinzip nicht. 

Die 1verschiedenen Hersteller der Ketonen (siehe Übersicht bei Amazon) machen hierzu häufig unterschiedliche Angaben, bei denen es dann auch oft noch einen Unterschied macht, ob man mit den Ketonen eine Leistungssteigerung, eine schnellere Regeneration oder eine Gewichtsabnahme erreichen möchte. 

Empfehlung: 30-60 min. vor der Belastung einnehmen

In Bezug auf Ausdauersportarten wird in der Regel jedoch empfohlen, Ketone mindestens eine halbe, besser jedoch eine ganze Stunde vor einem Training oder einem Wettkampf einzunehmen. 

Während eines längeren Trainings oder Rennens können Ketone allerdings ebenfalls noch eingenommen werden, insbesondere dann, wenn die Intensität noch nicht allzu hoch ist. 

Völlig problemlos, ja sogar empfehlenswert, ist dann auch die gleichzeitige Zufuhr von Kohlenhydraten.

Ketone im Radsport
Ketose-Stand lässt sich mit diesen Stäbchen messen

Verbesserte Regeneration

Teilweise wird aber auch empfohlen, Ketone erst abends vor dem Schlafen einzunehmen, da dies die Regeneration beschleunigen würde.

Viel wichtiger als der Zeitpunkt der Einnahme der Ketone ist allerdings, dass sie über einen längeren Zeitraum hinweg kontinuierlich eingenommen werden, insbesondere in der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung. 

Der Körper benötigt nämlich eine gewisse Gewöhnungsphase, bis er dazu in der Lage ist auf Ketone und Glukose  gleichermaßen zurückzugreifen. 

Im besten Fall erlernt er es so innerhalb weniger Wochen, dass er bei einer relativ niedrigen Belastung seine Energie vor allem aus den Ketonen bezieht und in intensiveren Rennphasen dann auf die Glykogenspeicher zurückgreift.


Die Vorteile von Ketonen

Inwiefern Ketone tatsächlich die sportliche Leistungsfähigkeit erhöhen können, ist nach wie vor umstritten.

Eine Studie der belgischen Universität Leuven kam zu dem Ergebnis, dass Ketone die Leistung im Ausdauersport um bis zu 15 Prozent erhöhen können. 

Wenn das stimmen sollte, wären Ketone nahezu vergleichbar mit dem Doping mit EPO

Vermehrung der roten Blutkörperchen

Ebenso wie bei EPO, soll einer anderen Studie zufolge auch die Zahl der roten Blutkörperchen deutlich erhöht werden.

Eine Studie mit britischen Athleten im Vorfeld der Olympischen Spiele 2012 in London ergab dagegen lediglich eine Leistungssteigerung von ein bis zwei Prozent. 

2-3% Verbesserung bei 30-minütigem Zeitfahren

Eine weitere britische Studie aus dem Jahr 2016, ebenfalls mit britischen Radsportlern, ergab bei einem 30-minütigen Zeitfahren eine Verbesserung von zwei bis drei Prozent.

Auch wenn sich das nicht nach besonders viel anhört, können derartige Leistungssteigerungen im Spitzensport sehr wohl zwischen Sieg und Niederlage entscheiden. 

Interessanterweise betont der Ernährungsspezialist des Teams Jumbo-Visma, Asker Keukendrup, dass Ketone die sportliche Leistungsfähigkeit deutlich weniger stark beeinflussen, als das inzwischen von vielen angenommen wird.

Fettreserven werden durch Ketone länger beansprucht

Wirklich mit Gewissheit lässt sich aktuell eigentlich nur sagen, dass eingenommene Ketone tatsächlich die Verbrennung von Fettreserven verbessern können.

In diesem Zusammenhang ist es besonders für Ausdauersportler sehr vorteilhaft, dass ein Körper, der seine Energie bei einer relativ niedrigen Belastung größtenteils aus den Fettreserven bezieht, seine Kohlenhydratspeicher schonen und diese dann voll ausschöpfen kann, sobald die Intensität hoch ist.

Während die Kohlenhydratspeicher relativ schnell aufgebraucht sind, stehen jedem Menschen nahezu unerschöpfliche Fettreserven zur Verfügung, aus denen Energie bezogen werden kann. 

Das Problem ist aber, dass die Energie nur dann aus den Fettreserven bezogen wird, wenn der Körper sich in einem Zustand mit niedrigem Glukosegehalt befindet, was beispielsweise durch eine kohlenhydratarme Ernährung gelingt. 

Die Vorteile von Ketone bei einer Tour de France

An einem Radrennen oder gar einer dreiwöchigen Rundfahrt wie der Tour de France sollte allerdings logischerweise niemals mit einer kohlenhydratarmen Ernährung teilgenommen werden, da selbst bei einer relativ ruhigen Etappe bei einem Fahrer mit ausgezeichnetem Fettstoffwechsel rund die Hälfte der Energie aus Kohlenhydraten gewonnen wird. 

Hier könnten Ketone tatsächlich die Lösung sein. 

Die Einnahme von synthetischen Ketonen soll es ermöglichen, dass die Energie während eines Rennens möglichst lange aus den Fettreserven gewonnen wird, trotz einer ausgewogenen und kohlenhydratreichen Ernährung. 

Kohlenhydratspeicher werden länger geschont

Die Kohlenhydratspeicher werden so im besten Fall lange Zeit weniger stark in Anspruch genommen und erst dann angegriffen, wenn es richtig intensiv wird. 

Anzeige

Da sie bis dahin kaum beansprucht wurden, stehen sie nun voll und ganz zur Verfügung.
Außerdem sieht es so aus, als ob die Einnahme von Ketonen die Regenerationsfähigkeit erhöht, was natürlich insbesondere während einer dreiwöchigen Rundfahrt wie der Tour de France von Vorteil ist. 

Es scheint, als ob die Einnahme von Ketonen die antioxidative Kapazität der Körperzellen erhöhen kann, was wiederum den Schaden der freien Radikalen, die durch eine intensive sportliche Belastung entstehen, deutlich reduzieren kann. 

Risiko des Übertrainings scheint geringer

Eine belgische Studie kam in diesem Zusammenhang zu dem Ergebnis, dass durch Ketone das Risiko eines Übertrainings deutlich reduziert werden kann. 

Gleichzeitig waren die Probanden der Studie dazu in der Lage, über einen längeren Zeitraum eine höhere Leistung zu erbringen. 

Niedrigere Laktatkonzentration im Blut als üblich

Zudem war die Laktatkonzentration im Blut deutlich geringer als üblich. Leiter dieser Studie war übrigens der belgische Sportwissenschaftler Peter Hespel, der das Team Deceuninck-Quick-Step betreut.

Ebenfalls wahrscheinlich ist es, dass die Einnahme synthetischer Ketone die Insulinwerte im Blut auch während körperlicher Aktivitäten konstant hält.

Normalerweise schwankt der Insulinspiegel eines Menschen ständig, auch beim Sport, was sich mitunter negativ auf die Leistung auswirkt. Die Einnahme von Ketonen soll dieses relativ hohe Risiko für einen Leistungsabfall minimieren.

Gewichtsabnahme ohne offensichtlichen Leistungsverlust?

Aufgrund der Tatsache, dass Ketone dazu führen, dass der Körper Energie vor allem aus den Fettreserven bezieht, ist auch eine Gewichtsabnahme ohne Leistungsverlust sehr gut möglich, was für die Bergetappen im Radsport natürlich ebenfalls ein großer Vorteil wäre.

Wahrscheinlich ist es aber auch einfach ein subjektives Empfinden, ob die Einnahme von Ketonen die eigene Leistung erhöht oder nicht. 

Viele Fahrer, die offen dazu stehen, Ketone einzunehmen, berichten von einer gesteigerten Leistung und einer schnelleren Regeneration

Vittoria Bussi als prominente Befürworterin

Die italienische Radsportlerin Vittoria Bussi beispielsweise, die im Herbst 2018 einen neuen Stunden-Weltrekord mit 48,007km aufstellte, steht offen dazu, dass sie Ketone einnimmt und ist sich sogar sicher, ihren Rekord auch dank des umstrittenen Nahrungsergänzungsmittel geholt zu haben. 

Bussi betonte, dass sie nicht nur mit mehr Kraft in die Pedale treten, sondern auch deutlich fokussierter bleiben konnte. 

Andere Fahrer, wie beispielsweise Simon Geschke, betonen dagegen, dass sie von der Einnahme von Ketonen nicht profitieren konnten und dementsprechend auch wieder damit aufhörten, Ketone einzunehmen.


Gesundheitliche Risiken durch Ketone?

Ebenso wie aktuell noch unklar ist, welche Vorteile die Einnahme von Ketonen bringen kann, ist auch noch fraglich, inwiefern die Einnahme von Ketonpräparaten gesundheitliche Risiken birgt.

Der Vorsitzende der niederländischen Anti-Doping-Agentur “Dopingautoriteit” rät von der Einnahme von Ketonen ab. 

Aktuell noch Grauzone

Er betont zwar, dass Ketone aktuell noch zu den legalen Nahrungsergänzungsmitteln gehören und demzufolge nicht als Doping zählen, doch angesichts der Tatsache, dass bislang nur wenig über die gesundheitlichen Auswirkungen bekannt ist, missfällt es ihm, dass Teams offen über eine Keton-Einnahme sprechen. 

Für ihn stellt der Konsum von Ketonen eine Grauzone dar. 

Wissenschaftlich fundierte gesundheitliche Schäden konnten der Einnahme von Ketonen bislang nicht nachgewiesen werden. 

Magen-Darm-Probleme und übler Geschmack

Belegt ist aber, dass es nach der Einnahme von Ketonpräparaten immer wieder zu Magen-Darm-Problemen kommt, die aber offenbar nach einiger Zeit von alleine wieder nachlassen, vorausgesetzt man kann sich an den offenbar sehr üblen Geschmack gewöhnen. 

Eine Überdosierung mit Ketonen kann zudem zu Durchfall und Müdigkeit, aber auch zu Verstopfung führen. Eine Übersäuerung des Körpers ist ebenfalls nicht ausgeschlossen. 

Große Gefahr: Körper verlernt Kohlenhydrate anzuzapfen!

Möglich wäre auch, dass durch die Einnahme von Ketonen während intensiver Trainings- und Wettkampfphasen zwar die Kohlenhydratspeicher geschont werden, indem die Energie hauptsächlich aus den Fettreserven bezogen wird, dies allerdings langfristig dazu führen könnte, dass der Körper irgendwann die Fähigkeit verliert, Kohlenhydrate überhaupt noch als Kraftstoff zu verwenden. 

Dies würde letztendlich dazu führen, dass die Leitungsfähigkeit irgendwann abnimmt. 

Diese Möglichkeit wird interessanterweise vom ehemaligen Ernährungsberater des Teams Sky, James Morton, in Erwägung gezogen. 

Womöglich ist das auch ein Grund dafür, dass das Team Ineos Grenadiers eigenen Angaben zufolge in diesem Jahr keine Ketone mehr eingesetzt hat.

Weitere Risiken: Reizbarkeit, Unzufriedenheit & Schlafprobleme

Offenbar besteht zudem ein gewisses Risiko, dass sich die längere Einnahme von synthetischen Ketonen negativ auf den Serotoninspiegel auswirken kann, was die Gefahr für leichte Reizbarkeit, Unzufriedenheit und Schlafschwierigkeiten erhöht.

Ebenfalls fraglich ist es, wie gesund es sein kann, den Körper quasi zwanghaft in den Überlebensmodus zu bringen. Denn körpereigene Ketone werden ja normalerweise nur dann produziert, wenn dem Körper keine anderen Energiereserven mehr zur Verfügung stehen. 

Er schaltet dann um in den Reservemodus. Dass dies auf Dauer und insbesondere unter hohen Belastungen nicht gesund ist, gilt mittlerweile als unbestritten. 

Zu hohes Risiko durch Langzeitschäden?

Die Frage ist nur, ob die Einnahme von synthetischen Ketonen bei einer ausgewogenen und kohlenhydratreichen Ernährung auf lange Sicht womöglich ebenfalls nicht ganz ungefährlich ist.

Die Mannschaftsärzte der Teams AG2R, Arkea-Samsic und Groupama-FDJ raten jedenfalls ihren Fahrern davon ab, Ketone zu nehmen, da sie das Risiko von negativen Langzeitfolgen auf den Körper als zu hoch erachten.

Welche Profiteams nutzen Ketone?

Aktuell steht lediglich das niederländische Team Jumbo-Visma öffentlich dazu, Ketonpräparate zu verwenden. Es kann allerdings davon ausgegangen werden, dass weitere Teams ihre Fahrer Ketone einnehmen lassen. 

Bereits im Jahr 2018 sollen es laut der britischen Wissenschaftlerin Kieran Clarke, die maßgeblich mitverantwortlich für die Entwicklung von Ketonpräparaten als Nahrungsergänzungsmittel war, insgesamt sechs Teams gewesen sein, die bei der Tour de France Ketone einsetzten. 

Das deutsche Team Bora-hansgrohe gibt an, in der Vergangenheit mit Ketonpräpararten experimentiert zu haben. Ob die Fahrer allerdings nach wie vor noch Ketone einnehmen, wird mit Verweis auf Betriebsgeheimnisse nicht preis gegeben.

Das Team Lotto-Soudal wiederum setzt vermutlich auf die Einnahme von Ketonen und auch Deceuninck – Quick-Step und Ineos Grenadier greifen bzw. griffen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit bereits auf Ketonpräparate zurück. 

Vorreiter Ineos/Team Sky

Ineos Grenadier bzw. in der Vergangenheit Sky gilt sogar als der Vorreiter im Radsport, was die Einnahme von Ketonen betrifft. 

Das deutsche Team Sunweb dagegen beteuert, Ketone abzulehnen und den eigenen Fahrern auch davon abzuraten.

Eine sehr interessante Begründung für seine ablehnende Haltung gegenüber Ketonen nannte der Chef des französischen Profiteams AG2R, Vincent Lavenu. 

Nicht jedes Team könnte sich Ketone leisten

Er plädiert aufgrund der Chancengleichheit für ein Verbot von Ketonen, da diese so teuer sind, dass es sich gar nicht jedes Team leisten kann, seine Fahrer damit zu versorgen.

Das spanische Team Movistar ließ seine Fahrer in der Vergangenheit ebenfalls Ketone einnehmen und stellte offenbar auch eine höhere Leistungsfähigkeit der Fahrer fest. 

Da die Fahrer sich allerdings immer wieder über den Geschmack der Ketone beschwerten, wurde laut dem Arzt des Teams bald wieder von der Einnahme abgesehen.


⬇️ [100% GRATIS Download!] ⬇️
Richtig trainieren für harte Radmarathons wie den Ötztaler!

Das wirst du u.a. alles “rausziehen” können (für komplett umme)…

  • wie strukturiert man das Training, um sich maximal effizient auf harten Radmarathons vorzubereiten?
  • warum es Sinn macht, im Sommer noch ein Zwischentrainingslager einzulegen
  • wie viel Trainingskilometer man benötigt, um in die Top 300 zu fahren oder um “mit Würde” zu finishen?
  • mit welcher Zeit kann ich realistisch beim Ötzi finishen?
  • was musst du an Watt leisten, um den Ötzi ganz weit vorne zu finishen (Top 100)?

Sind Ketone nun Doping?

Aktuell gelten Ketone nicht als Doping, sondern als legales Nahrungsergänzungsmittel. Unklar ist allerdings, ob das auch so bleiben wird.

Die Bewegung für einen glaubwürdigen Radsport (MPCC), die aus zahlreichen Teams, aber auch einzelnen Radprofis besteht und sich für die Glaubwürdigkeit des Radsports einsetzt, lehnt jedenfalls den Einsatz von Ketonen ab, was dazu führte, dass der niederländische Radprofi Tom Dumoulin aus der MPCC austrat, nachdem er vom deutschen Team Sunweb zum niederländischen Team Jumbo-Visma wechselte und fortan ebenfalls Ketone einnahm.

Ketone und MPCC

MPCC-Präsident Roger Legeay begründet die ablehnende Haltung der Bewegung damit, dass es derzeit schlichtweg zu viele Unklarheiten in Bezug auf die Einnahme von Ketonen gibt. 

Der Ernährungsspezialist von Jumbo-Visma Asker Keukendrup ist sich sicher, dass Ketone auch weiterhin erlaubt sein werden, schließlich sind Ketone etwas völlig Natürliches, das ja auch vom eigenen Körper produziert wird. 

Er ist sich daher auch sicher, dass Ketone keine negativen gesundheitlichen Auswirkungen haben können. Auch er betont allerdings, dass es bislang kaum wissenschaftliche Erkenntnisse über die Einnahme von Ketonpräparaten gibt.

Sollten Ketone irgendwann tatsächlich als Doping eingestuft werden, wäre es fraglich, ob dadurch dann auch keine Ketone mehr zum Einsatz kommen würden. Denn aktuell sind synthetische Ketone nicht nachweisbar.

Selbst wenn sich bewahrheiten sollte, dass Ketone zweifelsohne die Leistungsfähigkeit erhöhen können, muss deren Einnahme damit nicht zwangsläufig auch verboten werden. 

Fall ähnlich gelagert wie Koffein oder Guarana?

Schließlich können sich Koffeein, Guarana und andere Stoffe ebenfalls positiv auf die Leistung auswirken. Ob Ketone irgendwann als Doping klassifiziert werden oder nicht, wird zu einem großen Teil auch davon abhängen, wie hoch das Risiko einer Gesundheitsschädigung ist. 

Um dies jedoch mit Gewissheit sagen zu können, werden noch zahlreiche weitere Studien notwendig sein. 

Die Frage, die sich stellt, ist vielleicht eher die, ob man die Einnahme von Ketonen nicht vielleicht sicherheitshalber verbieten sollte, bis man Gewissheit über deren Unbedenklichkeit hat.

Letztendlich handelt es sich bei der Einnahme von Ketonen wahrscheinlich schlichtweg um eine Grauzone, zumindest nach aktuellem Stand der Wissenschaft. 

Ob man zur Einnahme von Ketonen bereit ist oder nicht, ob man womöglich ein gewisses gesundheitliches Risiko eingeht und ob es sich dabei um Doping handelt, muss daher im Moment jeder für sich selbst entscheiden.


Bereits über 14.000 Follower!
Folge du uns auch & verpasse keine Artikel mehr!


FAQs zu Ketone auf einen Blick

Definition von Ketone: Was ist das genau?

Der menschliche Körper produziert aus Fettsäuren in der Leber Ketone, wenn die eigenen Glukosevorräte aufgebraucht sind. Wenn der Körper also keine Kohlenhydrate mehr zur Nutzung hat, steht ihm noch diese Energiequelle zur Verfügung (quasi die letzte Rettung!)

Werden Ketone bereits als Doping eingestuft?

Nach aktueller Lage noch nicht (Grauzone). Es kann aber durchaus passieren, dass exogene Ketone künftig auf die Liste der verbotenen Substanzen kommen.

Sind Ketone gefährlich für den Körper?

Die Liste der aktuell bekannten Nebenwirkungen: Magen-Darm-Probleme, übler Geschmack im Mund, psychische Beeinträchtigungen wie Reizbarkeit, Unzufriedenheit oder auch Schlafprobleme können auftreten. V.a. die Einnahme von synthetischen Varianten bürgen noch das ein oder andere Risiko für Langzeitschäden.

Welche positiven Wirkungen sind bekannt?

Für Ausdauersportler (v.a. auch für Radsportler) scheint die Verwendung dieses Nahrungsergänzungsmittel die folgenden positiven Eigenschaften zu haben:

– Vermehrung der roten Blutkörperchen
– längere Beanspruchung der Fettreserven (dadurch wird der begrenzte Kohlenhydratspeicher geschont)
– geringeres Risiko des Übertrainings
– niedrigere Laktatkonzentration
– Abnahme des Gewichts ohne offensichtlichen Leistungseinbußen
– verbesserte Regeneration

Wie werden Ketone eingenommen?

Es wird empfohlen die Nahrungsergänzungsmittel (Kapsel, Pulver etc.) 30-60 min. vor der Belastung einzunehmen. Eine Liste der aktuellen Hersteller findest du hier (siehe Übersicht).

Welche positive Effekte gibt es? Habt ihr Zahlen?

Gemäß einer aktuellen Studie der belgischen Universität Leuven kann die Leistung bei Ausdauersportlern um bis zu 15% gesteigert werden.
Eine britische Studie fand heraus, dass bei einem 30-minütigem Zeitfahren die Leistung um 2-3% verbessert werden konnte.

1Bei einigen Produkten kann der Betreiber dieser Webseite per Provision (Affiliate/Partner Link) vom externen Shop vergütet werden, sollte ein Besucher eins der gelisteten Produkte dort kaufen. Nur auf diese Art und Weise kann ein Blogprojekt wie SpeedVille seine Kosten auf Dauer decken. Wo und wann du kaufst, bleibt natürlich dir überlassen.


Quellen
  • https://www.faz.net/aktuell/sport/sportpolitik/keton-ester-experimente-mit-athleten-unter-strengster-geheimhaltung-16859295.html
  • https://roadbikeaction.com/de/should-endurance-athletes-go-keto-ketosis-and-ketogenic-diets-for-endurance-athletes-in-2020/
  • https://www.augsburger-allgemeine.de/wissenschaft/Kein-Brot-kein-Zucker-Keto-Diaet-ist-gefaehrlich-und-schwer-durchzuhalten-id43360456.html
  • https://www.stern.de/gesundheit/keto-diaet–populaer–aber-nicht-nachhaltig-9076192.html
  • https://roadbikeaction.com/de/the-latest-tour-de-france-weapon-the-100-water-bottle-2-2-2-2-2/
  • https://www.radsport-rennrad.de/ernaehrung/abstimmung-training-ernaehrung/
  • https://www.focus.de/sport/radsport/ketone-praeparate-das-steckt-hinter-dem-neuen-leistungs-turbo-im-radsport-tour-de-france_id_10958753.html
  • https://swimsportnews.de/8137-keton-drinks-das-neue-superfood-fuer-die-sport-ernaehrung
  • https://www.watson.ch/sport/velo/523027125-das-ist-das-wundermittel-keton-das-schlank-und-stark-machen-soll
  • https://trainer-magazine.com/exogene-ketone/
  • https://www.hilite-bikes.com/de/blog/post/ketogene-diaet-im-ausdauersport-radsport
  • https://fokus.swiss/2019/08/ketone-an-der-grenze-zum-doping/
  • https://soundcloud.com/cyclingmagazine/folge-27-wundermittel-ketone-teamarzt-jan-niklas-droste-erklart-den-hype
  • https://www.besenwagen.com/25-unterbezahlt
  • https://www.radsport-news.com/sport/sportnews_118637.htm
  • https://www.welt.de/sport/article197068873/Tour-de-France-2019-Leistung-durch-Ketten-fuer-6700-Euro-und-Keton.html

Fotos: Mykenzie Johnson (Unsplash.com), Victor Xok (Unsplash.com)

Das könnte Dir auch gefallen: