Erst Platz 3 beim Ötztaler mit einer unfassbaren Zeit von 6:38h – und nur eine Woche später zündet Miguel Brugger das nächste Feuerwerk: Neuer Streckenrekord beim Kitzbüheler Radmarathon mit einer Zeit von 6:07h!
Er unterbot hierbei die Zeit von Jack Burke um mehr als sechs Minuten (!)
Wer den Kitzbüheler kennt, weiß, was dieser Doppelpack bedeutet. Nach rund 200 Kilometern und gut 3.000 Höhenmetern wartet am Ende kein gemütliches Ausrollen, sondern die steilste Rampe Österreichs: das Kitzbüheler Horn. Über sieben Kilometer mit stellenweise über 20 Prozent Steigung – und das nach mehr als fünf Stunden Renndauer.
- Wie steckt man die Beine vom Ötzi in nur sieben Tagen weg?
- Mit welcher Taktik fährt man in diesen Schlussanstieg rein, wenn die Konkurrenz im Nacken sitzt?
- Wie viel Carbs pro Stunde nimmt er zu sich?
Wir (Coach Philipp und ich) haben uns direkt nach dem Rennen mit Miguel zusammengesetzt.
Im Interview spricht er über seine Taktik, 120 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde (siehe unseren Blog zur RICHTIGEN Verpflegung im Radsport!), warum ihm das Horn mehr liegt als das Timmelsjoch – und was sein Training so verdammt schnell macht.
Viel Spaß beim lesen :-)
Die wichtigsten Fakten auf einen Blick:
- Der Rekord: Miguel Brugger gewinnt den Kitzbüheler Radmarathon 2026 mit neuem Streckenrekord – nur eine Woche nach seinem 3. Platz beim Ötztaler (6:38 h)
- Das Horn bezwungen: Nach über 5 Stunden Vorbelastung pulverisiert er den Schlussanstieg aufs Kitzbüheler Horn in 31:47 Minuten (rund 5,7 W/kg)
- Verpflegung als Schlüssel: Konsequent 110 bis 120 g Kohlenhydrate pro Stunde – für Miguel der Hauptgrund, warum der berüchtigte „Mann mit dem Hammer“ am Horn ausblieb
- Training: Keine Hexerei, sondern 2–3 gezielte Einheiten pro Woche unter der Woche (oft 2x 20–30 Min. Sweetspot/Schwelle) plus lange Ausfahrten am Wochenende
- Mentaler Vorteil: Miguel liebt steile Rampen („Lieber 15 % als Rollerberge“) und wusste genau, wo er die entscheidenden Körner sparen musste
#1 Doppelpack mit Ansage: Vom Ötztaler-Podest zum Kitzbühel-Rekord
Miguel, Glückwunsch zum Sieg beim Kitzbüheler Radmarathon. Und das mit neuem Streckenrekord. Wie war das Rennen für dich, ist es nach Plan gelaufen?
Es war wirklich keine leichte Aufgabe, genau sieben Tage nach dem Ötztaler Radmarathon wieder in Topform am Start zu stehen. Körperlich und mental war ich schon ziemlich erschöpft, da nach dem Rennen der gesamte Druck abgefallen ist, der sich in den vergangenen Wochen aufgebaut hatte.
Ich habe die Woche deshalb perfekt genutzt, um mich zu erholen und meinem Körper die nötige Zeit zur Regeneration zu geben.
Die Teilnahme am Kitzbüheler Radmarathon war natürlich auch mit einem gewissen Risiko verbunden. Ich wusste, dass die Rechnung voll aufgehen und ich meine Form durch den Ötztaler nochmals steigern könnte – gleichzeitig bestand aber auch die Gefahr, dass ich noch zu erschöpft vom Ötztaler bin und die Belastung nicht vollständig verarbeitet habe.
Letztendlich ist genau das eingetreten, was ich mir erhofft hatte: Die Form war da und ich konnte sie am Kitzbüheler Radmarathon nochmals perfekt abrufen.
#2 Das Kitzbüheler Horn: So fiel die Entscheidung am Steilhang
Du hast es geschafft, deine beste Leistung des Tages an den beiden steilsten Anstiegen zu bringen (Kerschbaumer Sattel und Kitzbüheler Horn), vor allem auch nach 5:30h auf den ersten Kilometern des Horns.
Für viele Hobbyfahrer ist das sehr interessant, denn die größte Herausforderung ist oft das Pacing und das längere Halten der Leistung! War das von Beginn an deine Strategie, oder waren die Beine einfach so gut, dass du in dem Moment durchgezogen hast?
Da ich die Strecke nicht kannte, habe ich mich während des Rennens immer an den anderen starken Fahrern orientiert und versucht, an den Anstiegen das Tempo hochzuhalten, ohne dabei über meine Grenzen zu gehen.
Richtung Kitzbüheler Horn waren wir schließlich noch eine starke Fünfergruppe, die perfekt zusammengearbeitet hat. Dadurch konnten wir bis zum finalen Anstieg ein sehr hohes Tempo fahren.
#3 Verpflegung: 120 Gramm Kohlenhydrate als Schlüssel
Bei einem so langen und intensiven Rennen ist natürlich auch die Verpflegung extrem wichtig. Man darf auf keinen Fall komplett leer fahren. Ich habe deshalb darauf geachtet, pro Stunde etwa 120 g Kohlenhydrate aufzunehmen.
Wichtig dabei: Eine solche Menge muss unbedingt im Training getestet und gut vertragen werden, bevor man sie im Wettkampf einsetzt!
Wir sind schließlich mit der fünf Mann starken Spitzengruppe ins Kitzbüheler Horn gefahren – ab diesem Moment war sozusagen jeder auf sich allein gestellt.
Ich bin von Beginn an sehr hart ins Horn gefahren und konnte dadurch gleich alle anderen abschütteln. Danach wurde es für mich zu einem echten Bergzeitfahren. Ich konnte mein geplantes Tempo perfekt umsetzen und meine vorgenommenen Werte sogar noch übertreffen.
Das Fernsehmotorrad war die ganze Zeit an meiner Seite – und so etwas motiviert und pusht einen natürlich zusätzlich. Gerade in so einem Moment gibt einem das noch einmal richtig Energie!
#4 Taktik an den Pässen: Zermürbung am Kerschbaumer Sattel
Klingt so, als wäre deine Strategie perfekt aufgegangen!
Ja! Mein Plan war es, die Anstiege in einem harten Tempo zu fahren, um meine Mitstreiter nach und nach müde zu fahren. Da ich sehr viel Umfang und Volumen trainiere und meine Ermüdungsresistenz entsprechend gut ausgeprägt ist, wusste ich, dass die entscheidende Phase erst nach 5–6 Stunden am Kitzbüheler Horn kommen würde.
Am Kerschbaumer Sattel habe ich dann ein Tempo angeschlagen, das knapp unterhalb meiner Schwelle lag. Dadurch wurde die Gruppe kontinuierlich kleiner und kleiner.
Ich habe mich den ganzen Tag über sehr gut gefühlt und bewusst auch in den Flachstücken das Tempo extrem hochgehalten. Wir haben perfekt zusammengearbeitet, was mir natürlich extrem in die Karten gespielt hat.
Ein großes Lob geht deshalb auch an meine Mitstreiter für die hervorragende Zusammenarbeit – ohne diese wäre der Streckenrekord nicht möglich gewesen!
Und im Training habe ich mich in den letzten Wochen vor den beiden Wettkämpfen gezielt mit langen Sweet-Spot- und Schwellenintervallen vorbereitet. Zusätzlich habe ich sehr viele lange Einheiten mit zahlreichen Höhenmetern absolviert. Meine Intervalle habe ich dabei bewusst häufig erst gegen Ende des Trainings eingebaut, um meine Ermüdungsresistenz gezielt zu trainieren und auch unter Vorermüdung noch hohe Leistungen abrufen zu können.
#5 Die Übergangswoche: Wie regeneriert man zwischen zwei Monster-Rennen?
Du bist jetzt an aufeinanderfolgenden Wochenenden zwei der schwersten Radmarathons ganz vorne mitgefahren und hast Spitzenleistungen erzielt. Wie stellst du sicher, dass du in Woche 2 wieder voll in Form bist? Wird da in der Übergangswoche richtig trainiert oder nur etwas gerollt?
Nach dem Ötztaler bin ich die Woche etwas entspannter angegangen. Montag und Dienstag standen lockere Einheiten mit Freunden auf dem Programm, um mental alles zu verarbeiten, was beim Ötztaler Radmarathon passiert ist.
Als Regenerationsmaßnahme war ich am Mittwoch und Freitag bei meinem Freund Armin im Hotel Marlstein zum Saunieren. Am Donnerstag bin ich dann die letzte harte Intervalleinheit gefahren, um den Körper gezielt auf das Wochenende vorzubereiten: 2 × 30 Minuten Racepace.
Neben Regeneration und Training habe ich auch bewusst sehr auf meine Ernährung geachtet. Besonders wichtig sind dabei ausreichend Kohlenhydrate und Proteine, um die Energiespeicher aufzufüllen und die Regeneration optimal zu unterstützen!
#6 Miguels Trainings-Erfolgsrezept: 20.000 Kilometer & 3 Schlüssel-Intervalle
Zum Abschluss: Du bist noch nicht so lange in der Radsportelite dabei und hast dich jedes Jahr deutlich gesteigert. Hast du vielleicht 2-3 Trainingstipps für unsere Community. Was hat dich in den letzten Jahren wirklich vorangebracht?
Ich habe in den letzten Jahren sehr viel Umfang und Volumen im LIT-Bereich trainiert – etwa 20.000 Jahreskilometer. Entscheidend ist für mich, kontinuierlich dranzubleiben. Es geht nicht darum, ein paar Wochen Vollgas zu geben, sondern über Monate und Jahre hinweg regelmäßig zu trainieren und das Training zur festen Gewohnheit zu machen.
Im Winter nutze ich gerne Ausgleichssportarten wie Langlaufen und Skitouren, um auch über die Wintermonate fit zu bleiben.
Zusätzlich absolviere ich 2–3 strukturierte Intervalleinheiten pro Woche:
- 1× kurze VO₂max-Intervalle
- 1× längere Schwellen- bzw. Sweet-Spot-Einheiten
- 1× Over-/Under-Intervalle
Ich weiß, wie wichtig ein gut strukturierter Jahresplan ist. Letztendlich zählt für mich aber vor allem eines: der Spaß am Sport. Man muss Freude daran haben, aufs Rad zu steigen – denn nur dann bleibt man langfristig mit Begeisterung und Motivation dabei.

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Fotos: floobe – medienproduktion, privat, Titelfoto per KI bearbeitet




