Perioden-Radhose im Praxistest: Was taugt die Van Rysel EDR Menstrual Short wirklich?

by Daniel

Radfahren während der Periode ist im Peloton nach wie vor ein Thema, über das erstaunlich wenig gesprochen wird – obwohl es verdammt viele Fahrerinnen betrifft.

Die Franzosen von Decathlon haben genau hier angesetzt und mit der Van Rysel EDR Menstrual Short eine Rennradhose auf den Markt gebracht, die mit einem saugfähigen Spezialpolster für zusätzliche Sicherheit an den „Tagen der Tage“ sorgen soll.

Und das für einen Kampfpreis von knapp 40 Euro.

  • Klingt auf dem Papier nach einem echten Gamechanger. Aber wie schlägt sich die Hose wirklich im harten Rennrad-Alltag?
  • Kommt da beim Fahren nicht sofort ein unangenehmes „Windel-Gefühl“ auf?
  • Und braucht man sowas auf dem Rad überhaupt?

Unsere Testerin und Athletin im Coaching Linda (Name von d. Red. geändert) hat die Hose über mehrere Monate im echten Einsatz getestet – von harten Trainingsfahrten bis hin zu Touren bei 35 Grad im Hochsommer.

Im folgenden Q&A beantwortet unsere Testerin (sie ist von Beruf Medizinerin) alle Fragen schonungslos ehrlich: von der Polster-Dicke über das Schweiß-Blut-Verhältnis bis hin zum Sitz in aggressiver Unterlenker-Haltung.

Transparenzhinweis: Die Van Rysel EDR Menstrual Short wurde uns von Decathlon für diesen Test kostenlos zur Verfügung gestellt. Das hatte wie immer keinerlei Einfluss auf unser Urteil. Wir testen grundsätzlich unabhängig und schreiben genau das, was wir auf der Straße erleben.

Linda beschreibt ihre Erfahrungen mit der Van Rysel Menstrual Short
Van Rysel EDR Menstrual Short

#1 Sitzpolster & Tragegefühl: Kommt beim Fahren ein „Windel-Gefühl“ auf?

SPVL: Ein Polster, das zusätzlich zur normalen Dämpfung auch noch Flüssigkeit aufsaugen soll, klingt ehrlicherweise erst einmal nach einem leichten Windel-Gefühl. Wie fühlt sich die Van Rysel Menstrual Short im Vergleich zu einer klassischen Bib Short an – merkst du beim Pedalieren einen Unterschied in der Dicke oder Steifigkeit?

Linda: Das Polster scheint beim Tragen nicht wesentlich dicker zu sein als bei anderen Bib Shorts. Es unterscheidet sich eher in der Steifigkeit und fühlt sich beim Tragen etwas “fester” an als andere Polster. Es ist zudem etwas breiter als die Sitzpolster meiner anderen Shorts. Beim Pedalieren fühlt man sich dadurch nicht gestört und ein Windelgefühl kommt in keinem Fall auf.


#2 Die 12-ml-Saugkraft: Braucht man auf dem Rennrad eine Menstruationshose?

Decathlon gibt an, dass das Pad etwa 12 ml Flüssigkeit aufnehmen kann, was in etwa einem großen Tampon entspricht. Hand aufs Herz: Hast du dich getraut, die Hose an den starken Tagen komplett ’solo‘ zu fahren, oder nutzt du sie eher als Backup zur Menstruationstasse oder zum Tampon?

Um ehrlich zu sein braucht man meines Erachtens keine Menstruationsshorts.

Beim Radfahren schwitzt man insgesamt – auch im Schritt- weitaus mehr, als man Blut verliert – nämlich zwischen 500 und 1500 ml pro Stunde, je nach Anstrengung und Außentemperatur. Beim Indoortraining sogar weitaus mehr. Natürlich verdunstet davon vieles direkt, aber auch da kommt man mit 12 ml Saugkraft nicht weit.

Die Blutungsmenge ist im Vergleich zum Schweißverlust eher gering. Im Vergleich zu anderen Bib-Shorts habe ich da keinen relevanten Unterschied bemerkt, auch ohne Nutzung eines Tampons.


#3 Atmungsaktivität bei Hitze: Droht ein Brutkasten-Effekt oder Wundscheuern?

Wenn ein Polster Flüssigkeit einschließt, stellt man sich das an warmen Tagen schnell wie einen kleinen Brutkasten vor. Wie atmungsaktiv bleibt die Hose, wenn man richtig schwitzt? Und viel wichtiger: Gab es Probleme mit Wundscheuern oder Irritationen, wenn das Pad auf langen Ausfahrten feucht wurde?

Auch beim Fahren und Nutzen der Shorts bei rund 35 Grad blieb die Hose dennoch atmungsaktiv und ich hatte nicht das Gefühl zu überhitzen. Zu Wundscheuern oder Irritationen kam es nicht. Da hatte ich schon ganz andere Hosen, die zum Teil auch deutlich teurer waren ;)


Menstruationspolster für Radsportlerinnen während der Tage

#4 Passform & Hosenbund: Schneidet die trägerlose Hose in Rennrad-Haltung ein?

Viele Frauen haben während ihrer Periode mit einem Blähbauch zu kämpfen und hassen es, wenn der Hosenbund dann auch noch drückt. Van Rysel wirbt hier mit einem speziellen, weichen Sitz am Bauch. Funktioniert das in der aggressiven Rennrad-Haltung, oder schneidet da am Ende doch wieder was ein?

Der Hosenbund ist wirklich ein Problem und hat mich persönlich am meisten gestört –  unabhängig vom Blähbauch. Meines Erachtens ist der Hosenbund leider etwas zu kurz (endet ca. 3 cm unterhalb des Bauchnabels) und zu eng, während die Passform an den Beinen gut war und hier nicht größer sein dürfte.

Je mehr man in die “aggressive” Rennradhaltung möchte, desto höher der Störfaktor. Dazu kommt noch, dass dabei meist das Trikot etwas nach oben rutscht. Dadurch läuft man Gefahr bauchfrei oder wohl eher rückenfrei durch die Gegend zu fahren. Praktisch ist hier lediglich die Tatsache, dass der Toilettengang vereinfacht wird.


#5 Pflege & Haltbarkeit: Wie schlägt sich das Polster nach vielen Wäschen?

Laut Hersteller soll die Saugfähigkeit für rund 25 Wäschen garantiert bleiben. Wie nervig ist die Reinigung nach der Fahrt wirklich (Stichwort: kalte Vorwäsche per Hand)? Und hast du nach den Monaten im Test das Gefühl, dass sich an der Form, dem Geruch oder der Funktion des Polsters etwas verschlechtert hat?

Die Vorwäsche unterscheidet sich nicht zu anderen Bib-Shorts und lässt sich problemlos durchführen. Die Dicke des Polsters hat mit der Zeit nachgelassen, was dazu führte, dass leider auch der Tragekomfort darunter gelitten hat. Die Funktion hat dabei jedoch nicht nachgelassen.


Reduziertes Design und gute Passform an den Beinen

#6 Preis-Leistung & Verarbeitung: Taugt die 40-Euro-Hose für den Trainingsalltag?

Die Hose kostet knapp 40 Euro – für eine Rennradhose ist das extrem günstig. Mal ganz unabhängig vom Menstruations-Feature: Wie performen der Stoff, die Nähte und die Beinabschlüsse im Vergleich zu dem, was du sonst auf dem Rennrad trägst?

Der Stoff fühlt sich angenehm an. Das Polster war zu Beginn super bequem und hat leider mit der Zeit etwas nachgelassen. 

Was eher stört, sind die auftragenden Nähte, insbesondere an den Beinen. Da hatte ich schon nach kurzer Fahrtzeit (ca. 1 Stunde) Druckstellen. Beim Beinabschluss gibt es nichts zu beklagen.

Großes Manko ist der Hosenbund aus oben genannten Gründen, so dass ich eher bei längeren Ausfahrten nach einer anderen Bib-Shorts gegriffen habe. Schade, da die Breite des Polsters, gerade bei dem anatomisch bedingten größeren Abstand der Sitzbeinhöcker im weiblichen Skelett, zunächst einen guten Tragekomfort geboten hat.


Saugfähiges Sitzpolster
Sitzpolster

Fazit: Für wen lohnt sich die Van Rysel Menstrual Short?

Stärken (Pro)

  • Sehr atmungsaktiv, selbst bei über 30 Grad
  • Kein Wundscheuern
  • Breites Polster passt gut zur weiblichen Beckenanatomie
  • Unschlagbarer Preis von ca. 40 €

Schwächen (Contra)

  • Bund zu kurz und zu eng (rutscht im Unterlenker rückenfrei)
  • Nähte drücken bereits nach rund 60 Minuten
  • Polster verliert nach mehreren Wäschen an Dämpfung
  • 12 ml Saugkraft im Verhältnis zum Schweißfluss kaum praxisrelevant
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