Blick unter die Motorhaube: Was passiert, wenn dem System plötzlich der Sauerstoff ausgeht?

by Daniel

Das war eine wirklich unschöne Situation.

Im heutigen Blog ein ungeschönter Bericht mitten aus dem Leben aus der Notaufnahme (akuter Asthmaanfall) und warum der Radsport ein wirklich geniales „Tool“ ist, das dir HELFEN kann, möglichst lange und v.a. gesund und vital zu leben!!!

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag ist ein rein persönlicher Erfahrungsbericht und ersetzt keine medizinische Diagnose oder Therapie. Bei gesundheitlichen Problemen, Beschwerden oder Fragen zu Asthma wendet euch bitte immer an einen Facharzt.

Die Sache mit dem Asthma

Lasst mich kurz ausholen…

Als ich 6 Jahre war, fing bei mir die Seuche mit dem Asthma an. Ständig Atembeschwerden und immer wieder der Gang zum Lungenfacharzt. Eine Krankheit, die ich vermutlich von meiner Mama vererbt bekommen habe, die darunter auch schon ihr Leben lang leidet.

Das bedeutete für mich, immer ein Spray auf Tasche und viele Abende, an denen ich mit PariBoy und Co. inhalieren musste… Sonstige körperliche Einschränkungen hatte ich nicht.

Ich war fit wie ein Turnschuh, reagierte aber immer wieder allergisch auf gewisse Dinge wie Hausstaub-Milbe etc.

Bis zum 14./15. Lebensjahr dauerte diese Chose gefühlt an – wir tauschten die Teppichböden gegen Laminat ein, wie man das so in den 90ern machte, und ab da wurde es schlagartig besser.

Beschwerdefrei bis in die Mittdreißiger

Die nächsten 20-25 Jahre war ich eigentlich komplett beschwerdefrei. Ein Asthmaspraygerät hatte ich längst nicht mehr in der Tasche dabei und die Leiden der früheren Jahre waren nahezu verblasst.

Wir sind mittlerweile im Jahre 2014 und ich bin in meinen Mittdreißigern als es wiederkommen sollte.

Mit meiner Frau Franzi sitze ich auf der schönen Koh Phi Phi Insel in Thailand. Wir saßen abends vor unserer Strohhütte und es überkam mich – dieses beklemmende Gefühl und rasselnde Geräusch, wenn du atmen möchtest, aber unzureichend Sauerstoff ins System bekommst. Es ist die Hölle.

Wir fuhren mit einer Art „Rettungstaxiboot“ in eine Apotheke und dort bekam ich ein Asthmaspray.

1-2 Sprühstöße rein und sofort war das Atmen wieder leichter. Ein herrliches Gefühl.

Asthmaspray als Rettungsanker seitdem dabei

Bei diesem einmaligen Asthmaanfall blieb es dann eigentlich auch wieder für die nächsten 10-12 Jahre, ich hatte ein Spray aber fast immer aus Sicherheitsgründen bei meinen Urlauben, Radtouren etc im Trikot dabei. Haben ist besser als brauchen.

Gebraucht hatte ich es meiner Erinnerung nach nie.

Diese Woche Montag knallte der Mist aber wieder vollends rein, so heftig wie eigentlich noch nie zuvor. Meine Frau war beruflich in Berlin und ich war allein mit den Kindern. Tagsüber ging es ganz ok, aber nachts musste ich alle 2-3 Stunden sprühen, um wieder Luft zu bekommen…

Am Mittwoch Abend kam meine Frau dann gegen 23 Uhr von ihrer Geschäftsreise zurück.

Nachts um 2 Uhr: Ich brauchte ärztliche Hilfe!

Ich war froh, dass ich mit rasselnder „Schnappatmung“ nicht alleine mit den Kindern war (Stichwort Verantwortung), aber Schlafen ging nicht. Meine Bronchien rasselten wie Sau… Die Sprühstöße reichten nur noch für 2 Stunden ok Luft, dann musste schon der nächste Sprühstoß rein…

Gegen 2 Uhr reichte es mir dann. Ich brauchte Hilfe von Ärzten.

Ich fuhr ins benachbarte Vinzenz Pallotti Hospital in Bensberg (unweit vom Schloss Bensberg bei Rund um Köln) und ließ die Profis ran… Nachts um 2 kein cooles Gefühl, auch wenn die Ärzte und Pfleger alle wirklich SEHR NETT waren….

Im Zuge der Untersuchungen kamen ein paar Dinge zutage, wo ich dir mitteilen möchte, warum es so wichtig ist, dass wir zB diesen wunderschönen Radsport betreiben.

Blutbild von Daniel nach Asthmaanfall
Mein Blutbild während des Asthmaanfalls

Meine Werte im Check

Insgesamt lesen sich die Befunde aus der Notaufnahme wie die eines fitten Ausdauersportlers, dessen System gerade unter massivem körperlichen Stress stand, das aber strukturell kerngesund ist – vorausgesetzt, die Atemwege sind frei.

Herz & Lunge (Mechanik)

  • Mein Ruhe-EKG zeigte einen normalen Sinusrhythmus mit 77 Schlägen pro Minute, ohne Erregungsrückbildungsstörungen
  • Sobald Ärzte um dich rumwuseln, bist du einfach aufgeregter. Isso (lies hier mal mein Besuch beim Arzt wegen Blutdruck)
  • Für einen trainierten Ausdauerathleten ist das natürlich ein untypisch hoher Ruhepuls, aber nachts in der Notaufnahme – vollgepumpt mit Adrenalin und unter akuter Atemnot – ist das medizinisch durchaus logisch
  • Benchmark: Nachts geht mein Ruhepuls zu Peakzeiten auf 37-38 bpm runter
  • Das Röntgenbild der Lunge bestätigte immerhin, dass strukturell alles top ist: keine Infiltrate, kein Hinweis auf einen Lungenkollaps (Pneumothorax)

Entzündungswerte

  • Mein CRP-Wert lag bei unauffälligen <0.5 mg/dl und die weißen Blutkörperchen (WBC) bei 7,10
  • Das war die erste gute Nachricht der Nacht: Es gab keinen akuten bakteriellen Infekt, der den Asthmaanfall getriggert hat

Die „Radsport-Werte“ (Blutbild)

  • Die reine Sauerstofftransport-Maschinerie ist eigentlich exzellent aufgestellt
  • Mein Hämatokrit (Hct) lag bei starken 45 % und das Hämoglobin (THb) in der Blutgasanalyse mit 17,1 g/dl am oberen Rand der Norm
  • Besser kann man den Sauerstoff theoretisch kaum zur Muskulatur transportieren – vorausgesetzt eben, er kommt überhaupt erst durch die Lunge ins Blut

Sauerstoff & Blutgas (BGA)

  • Hier sah man die deutlichen Spuren des Anfalls. Mein pH-Wert (7,42) und die Sauerstoffsättigung (SO2 mit 96,3 %) waren unter der akuten Medikamentengabe in der Klinik zum Glück wieder im grünen Bereich
  • Der Sauerstoffpartialdruck (pO2) kreiste mit 72 mmHg allerdings am ganz unteren Limit der Norm (71–104 mmHg)
  • Das System hatte sichtlich damit zu kämpfen, genügend Sauerstoff durch die verengten Bronchien zu pressen

Da wir ja hier einen Radsport-Blog betreiben, lasst uns mal kurz bei dem Thema Hämoglobin und Hämatokrit bleiben… Sicherlich auch für dich interessant, wenn du mal einen Blutcheck beim Doc machst…

Hämoglobin (17,1 g / dl) – Meine Sauerstoff-Frachtschiffe

Hämoglobin (Hb) ist das Protein in den roten Blutkörperchen, das den Sauerstoff in der Lunge bindet und in die Beine transportiert.

  • Der Normbereich für Männer liegt meistens zwischen 13,5 und 17,5 g / dl
  • Mit 17,1 g / dl kratze ich quasi am oberen Ende

Die sportliche Bedeutung: Mehr Hämoglobin bedeutet schlichtweg eine höhere maximale Sauerstofftransportkapazität des Blutes (CaO2). Das ist einer der wichtigsten Hebel für eine hohe VO2max (siehe auch unseren 12-wöchigen Trainingsplan!).

Hämatokrit (45%) – Der Anteil der Zellen im Blut

Der Hämatokritwert (das Thema kennt man ja noch von Bjarne Riis) gibt an, wie hoch der Anteil der zellulären Bestandteile (vor allem rote Blutkörperchen) am Gesamtblutvolumen ist.

  • Der Normbereich liegt für Männer typischerweise zwischen 36-50%
  • Meine 45% sind ein sehr gesunder, kräftiger Wert
  • Er zeigt, dass mein Blut schön „dick“ genug ist, um Sauerstoff zu transportieren, aber eben noch nicht so zähflüssig, dass das Herz gegen einen zu hohen Widerstand anpumpen muss (was bei künstlichem Doping oft das Risiko war)

Stressmarker

  • Mein Kalium (4,9 mmol/l) war minimal drüber und der Blutzucker (Glu) mit 125 mg/dl leicht erhöht
  • Eine Reaktion des Körpers auf den extremen Stress eines Asthmaanfalls: Adrenalin und Cortisol pushen den Blutzucker sofort hoch, um der Muskulatur Energie für den „Kampf ums Überleben“ bereitzustellen

Der Ritterschlag mitten in der Nacht: Wenn das EKG den Sportler verrät

Nun kommen wir zu dem Punkt, weswegen ich diesen Blog überhaupt schreibe – und zwar war es dieser Satz der Ärztin (Erinnerungsprotokoll) nachdem sie meine EKG Aufzeichnung bewertet:

Herr Müller, das EKG sieht sehr gut aus. Sie sind Sportler, oder? Man sieht anhand der kräftigen Ausschläge Ihres Herzens, dass Sie Sport machen. Die Ausschläge sehen bei anderen Menschen deutlich „schwächer“ aus!

Der Satz wirkte bei mir nach, fand ich geil!

Zum einen fand ich es natürlich sehr gut zu hören, dass mit dem Herzen alles in Ordnung ist und zum anderen war es natürlich sehr schön zu hören, dass der Herzmuskel eine gewisse Power hat – also dass die Amplitude deutlich kräftiger ist als bei Menschen, die weniger/keinen Sport machen.

Es zeigt, dass der Radsport und intelligent gesteuertes Training einem helfen kann, auch im Alter (ich bin mittlerweile 47 Jahre!) einen gesunden und vitalen Lifestyle zu haben.

Mit intelligent gesteuertem Training meine ich…

Bei mir kommt seit ca. 2-3 Monaten noch Tennis als Alternativsportart hinzu. Über meine Söhne bin ich wieder auf den Geschmack gekommen.

Ein sehr schöner Mix – das Training auf dem Rad (wunderbar für Ausdauer, allgemeine Gesundheit, Stärkung des Herz/Kreislaufsystems und mentale Entspannung), aber auch die Herausforderungen des Tennis (Spielsport), wo deutlich mehr Muskelgruppen angesprochen werden (v.a. auch beim Oberkörper)…

Also, ihr Lieben…

Wenn ihr aus diesem Blog was mitnehmen sollt: Trainiert intelligent weiter auf dem Bike. Genießt das Privileg, dass ihr diesen wunderbaren Sport ausüben könnt. Manche würden es gerne tun, können es aufgrund ihrer Beschwerden etc aber leider nicht mehr…

Und seid euch bewusst, dass ihr was richtig Gutes für eure Gesundheit und auch Langlebigkeit (Thema Longevity) tun könnt…

Wenn ihr Unterstützung bei eurem Training braucht, sagt uns gerne Bescheid – in einem persönlichen Telefonat (hier findest du alle Infos & Details!) können wir deine aktuelle Situation und Zielsetzung gerne einmal beleuchten.

Herzlichst,
Daniel

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