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Jonathan Vaughters Buch: One-Way Ticket!

by Daniel

Siehe da, siehe da…

Das „Jonathan-Vaughters-Buch“ verschlang ich jetzt über Weihnachten dann doch in einem wahnsinnigen Tempo!

Wie es dann immer so ist…

Jochen gab mir bereits vor einigen Monaten das Buch mit dem Hinweis, dass es echt gut sein soll! Man findet im Alltagsstress aber nicht immer den richtigen Zugang bzw die Zeit, um sich mal hinzusetzen – und einfach entspannt zu lesen!

Wenn du aber dann über Weihnachten bei der Familie/Schwiegereltern bist und die Kinder von all den Verwandten/Cousins betüddelt werden, öffnen sich hier und da dann doch ein paar Zeitfenster, in denen man das System mal runterfahren kann.

Also, allerbeste Zeit zu lesen!!

Und ich liebe es zu lesen :-)

Handy aus, lecker Tee trinken, gemütlich machen und die Birne arbeiten lassen!!

Im heutigen Blog also meine Erkenntnisse des sehr, sehr guten Buches von Jonathan Vaughters!

Herzlichst,
Daniel

Jonathan Vaughters Buch
Erschien in 2020 in deutscher Sprache im Covadonga Verlag

Jonathan Vaughter Buch „One Way Ticket“ – meine Eindrücke!

Den hardcore Radsport Afficionados sicherlich auch als aktiver Profi ein Begriff, ich persönlich habe ihn erst auf dem Radar, seitdem er die „hippster-mäßig“ angehauchte Profi-Truppe von EF Education-EasyPost (um Rigoberto Uran, Ben Healy etc.) managed.

  • pinke/magenta farbene Trikots von Rapha
  • cooles Socialmedia
  • schicke Cannondale Bikes
  • vermeintlich kleine Budgets
  • sie holen gefühlt wohl das Maximum raus (Budget vs. Ergebnisse)

Im ersten größeren Teil des Buches geht es um den Protagonisten selbst und wie er im Colorado der Achtziger seine Liebe für den Radsport entdeckte (und ausübte).

Colorado in den 80ern

Die Winter waren lang und kalt, er biss sich trotzdem durch.

Auf der Schule war er aufgrund seiner dürren Statur, kleinen Größe und der verbissenen Einstellung zum Training definitiv ein Außenseiter. Ein Außenseiter in Spandex wohlgemerkt.

Sein Antrieb, eines Tages zeige ich es euch allen!

Und das tat er dann später auch:

Erster Profivertrag in 94

Nachdem er beim ein oder anderen Amateurrennen in den USA für Aufsehen sorgte, bekam er 1994 irgendwann das Angebot beim spanischen Team Porcelena Santa Clara.

Die Teamärzte staunten nicht schlecht, schließlich verfügte der hagere Kerl aus Colorado über eine fantastische VO2max. Ihm wurde vom sehr idealistischen (und religiös angehauchtem) Team und seinem Manager eine „große Karriere“ vorhergesagt.

Dazu wollte es aber zunächst nicht kommen.

Dem EPO verseuchten Feld hinterherhecheln

Vaughters und seine Teamkollegen spielten im Profipeloton der Neunziger absolut keine Rolle. Trotz sehr stabiler Leistungswerte und Trainingseifer ohne Ende war er froh, wenn er mal mit dem Hauptfeld ins Ziel kam.

Peu a peu sickerte auch für ihn durch, dass es ohne das leistungsfördernde EPO keine Chance in der damaligen Zeit gab, auch nur annähernd im Feld „vorne“ mitzufahren.

Jungs, die er früher als Amateur dominierte, fuhren in nun in Grund und Boden.

Spätestens als er dann 1998 zum US Postal Team um Lance Armstrong wechselte, waren die letzten Barrieren bzgl. einer dopingfreien Karriere ad Acta gelegt!

Vaughters beschreibt, wie er und seine Teamkollegen um Alphaboss Armstrong das Katz-und-Maus-Spiel mit den Dopingkontrolleuren der UCI tanzten…

Einführung des Hämatokritwerts von 50

Es kündigte sich zB ein unangekündigter Dopingtest an – schnell wurde den Fahrern noch eine Kochsalzlösung injiziert, damit der zwingend erforderliche Hämatokritwert abgerufen (sprich: gesenkt) werden konnte.

Besonders skurril und auch traurig, Fahrer, die von Natur mit einem niedrigeren Hämatokritwert ausgestattet waren (also von Natur aus weniger rote Blutkörperchen im Blut), hatten somit deutlich mehr Spielraum fürs Doping.

Hauptziel war einfach im Bereich der 50 zu bleiben.

Nach 2 Jahren an der Seite von Armstrong war seine Reise beim US Postal Team (inkl. TDF Sieg für Armstrong) dann auch wieder beendet und Vaughters wechselte zum französischen Rennstall des charismatischen Managers Roger Legeay.

Nach dem ein oder anderen „Achtungserfolg“ wechselte Vaughters in 2003 nochmal zu, Rennstall Prime Alliance Cycling Team, wo er dann mit 30 Jahren auch seine Karriere beendete.


Rückseite Jonathan Vaughters Buch

Vaughters beschreibt eindrücklich, wie er lange, lange Zeit an seiner Antidoping Haltung festhielt, dann aber aufgrund des steigenden Drucks einknickte.

  • EPO
  • Wachstumshormone (HGH)
  • Cortison

Das scheint mir jetzt seine Wahl der Dopingmittel gewesen zu sein.

Mir gefällt am Buch besonders, wie er beschreibt, dass man als Radprofi der damaligen Zeit wenig bis gar keine Alternativen hatte.

Alternativlos, wenn man im Sport bleiben wollte

Wollte man seinen Beruf mit außergewöhnlich guter Bezahlung – im Vergleich zu normalen Löhnen der damaligen Zeit – ausüben, war es schlichtweg alternativlos, nicht zu dopen!

In seinem ersten Team Porcelena Santa Clara galt noch für sehr lange Zeit eine strikte Antidoping Haltung, obwohl man natürlich wusste, dass man mit einem Messer bewaffnet zu einem „Gunfight“ ging.

Extrem hoher Druck der Sponsoren

Irgendwann knickte Teammanager José Luis Nuñes dann aber auch ein, der Druck der Sponsoren nach guten Ergebnissen war zu groß, und er musste geschehen lassen, was geschehen „musste“.

Als Vaughters dann später für US Postal um Teammanager Johann Bruyneel fuhr, war das Doping-Game dann aber nochmal auf einem anderen Level.

Hier zählte nur der maximale Erfolg, wie das bewerkstelligt wurde, war gefühlt zweitrangig.

Lance Armstrong muss man laut Vaughters wohl noch zugute halten, dass er Anfang der Neunziger wohl auch noch sauber fuhr, und sich lauthals drüber beschwerte, dass das komplette europäische Peloton dopingverseucht war.

Am besten man würde sie alle positiv testen, damit wieder Chancengleichheit herrschte.

Wie die Zeiten dich ändern.


In einer von Testosteron geschwängerten Bubble wie dem Profi-Radsport gibt es naturbedingt die ein oder andere Rivalität zwischen den Protagonisten.

Eine Rivalität, die im Buch aber immer wieder thematisiert wird, ist die Rivalität vom eher introvertierten Vaughters mit dem Alphatierchen aller Alphatierchen Lance Armstrong, der wo immer er konnte, gegen Vaughters stichelte und ihn „untergrub“ – wie zB Bradley Wiggins den Floh ins Ohr zu setzen, von Vaughters Garmin Team hin zu Team Sky zu wechseln.

Was letztlich bei Vaughters den Tropfen zum überlaufen brachte, war das Mobbing von Armstrong gegenüber seinem Umfeld.

Jeder, der es wagte an seinem Sockel zu rütteln, wurde gnadenlos vernichtet.

In Zusammenarbeit mit der Antidoping Behörde USADA und weiteren Zeugen wurde dann ein Plan entwickelt, wie das Kartenhaus Lance Armstrong einstürzte.

Hier spielte dann natürlich auch Floyd Landis eine gewichtige Rolle, der von Armstrong verstoßen wurde.


Obige Punkte 2 und 3 waren mir in den Essenzen schon geläufig, besonders interessant fand ich tatsächlich nun diesen Teil des Buches, in dem Vaughters über den Profiradsport als „Business“ spricht…

…und schonungslos seine Schwächen offenlegt!

  • zu große Abhängigkeiten von den Sponsoren
  • keinerlei Einnahmen an den Rennen (v.a. der Tour de France)
  • keine nennenswerten Einnahmen jenseits des Sponsorings
  • überschaubar gute Planbarkeit

Michele Acquarone

An dieser Stelle waren seine Schilderungen extrem spannend, in denen er beschrieb, wie der damalige Boss des Giros Michele Acquarone versuchte, der Tour de France den Rang abzulaufen, in denen er den Teams in Aussicht stellte, sie an den Einnahmen des Giros zu beteiligen.

Nur zum Vergleich…

Während bei den meisten anderen Sportarten die Hauptdarsteller (sprich die Vereine, Clubs, Nationalmannschaften) an den zB Fernsehgeldern teilhaben lassen, bekommen die Radsportteams beim größten Rennen der Welt – der Tour de France – vom Ausrichter ASO keinerlei (!) Beteiligung.

Zum Vergleich: Die europäischen Fußballclubs erhalten von der FIFA für das Abstellen ihrer Spieler zur WM 2026 die stattliche Summe von 355 Mio. USD. (Quelle: Spiegel.de)

Schlussendlich scheiterte dieser Versuch einer Revolution, da die meisten Teams Angst hatten, es sich mit der ASO zu verscherzen…

So steht sich der Radsport mal (wieder) selbst im Weg.

Absoluter Lesetipp!

Herzlichst,
Daniel



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