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So fühlt sich ein positiver Dopingtest an
– der Fall des Igor Kopse

by Daniel

Wow, das ist ja mal ein dicker Hund! Der zweimalige Gewinner des King of the Lake Igor Kopse ist laut eigenen Angaben beim jüngsten Rennen Ende September mit unerlaubten Mitteln zum Sieg gefahren. Um einer positiven Dopingprobe zu entgehen, zog er es vor, diese zu verweigern. Jetzt, ein paar Wochen später, schildert der Slowene seine Beweggründe für das Vorgehen. 

Igor Kopse Dopingtest

(c) Foto: Sportograf

„Scheiße, meine Dopingprobe wird positiv sein! Mein Gott, ich werde einen positiven Dopingtest abgeben.“ – der zweifache Gewinner des King of the Lake Zeitfahren Igor Kopse hat laut eigenen Angaben bei der jüngsten Ausgabe des Rennens Ende September zu unerlaubten Mitteln gegriffen – und folglich eine Dopingprobe verweigert.

Wenn man den Worten des Slowenen glauben mag, hatte er keine Intentionen, seine Performance mit dem Medikament zu steigern. Grund war eine Grippe seines Sohnes, die er bei sich mit dem Medikament verhindern wollte. Denn Kopse wollte eine Woche nach dem King of the Lake beim Stundenrekordversuch (Masters Klasse) in Manchester an den Start gehen. Dass er sich aber dennoch drüber im Klaren war, zu unerlaubten Mitteln gegriffen zu haben, schildert er in seinem Statement auf Strava, welches Jürgen Pansy auf seinem Blog spiegelte.

Meine Zusammenfassung des Original-Statements von Igor Kopse auf Pansy’s Blog ins Deutsche übersetzt.

Der Fall Igor Kopse – was ist passiert?

King of the Lake Rennbericht

(c) Foto: Sportograf

Am 24. September fand der King of the Lake statt. Ein Rennen, auf das ich mich ganz besonders freute. 48 Kilometer um den komplett gesperrten Attersee. Kaiserwetter, und eine Natur zum Verlieben. Kurzum: ein würdiger Abschluss für eine lange und harte Saison. Meinen Rennbericht zum KOTL 2016 könnt ihr hier nachlesen.

Ich spiele in dieser Geschichte aber Gott sei Dank keine Rolle.

Heute geht es um ihn: Igor Kopse.

Jahrgang 1974. Typ echter Zeitfahrer. Ewig lange Beine und schmale Statur. Guter Hebel und wenig Luftwiderstand. Eine gute Kombination, um eine Stunde – oder in seinem Fall etwas weniger – mal so richtig zu drücken. Entsprechend schickte sich der Slowene an, zum zweiten Mal das Zeitfahren um den Attersee zu gewinnen. Laut eigenen Angaben drückte er im Schnitt knapp 400 Watt (396W) und sicherte sich mit 59:40 Minuten souverän den Sieg vor Wolfgang Götschhofer mit 1:00:56 Stunden.

Wie immer: Man kann den Leuten nur vor den Kopf blicken, innendrin sieht’s oftmals ganz anders aus.

Igor Kopse über die Tage vor dem King of the Lake…

„Ich hätte beim King of the Lake nicht starten dürfen. Zum einen, weil ich ein Mittel im Blut hatte, dass unerlaubte Substanzen beinhaltete, zum anderen, weil man eine Woche vor einem wichtigen Event kein hartes Rennen mehr fahren sollte – insbesondere, wenn man Gefahr läuft, gerade krank zu werden.“

„Ich hätte besser Medikamente genommen, Tee getrunken oder wäre in die Sauna gegangen, anstatt bei einem „All-Out-Rennen“ teilzunehmen.“

„Die ganze Geschichte fing in der Woche vorm King of the Lake an: eine leichte Erkältung…Eigentlich nichts schlimmes…schlimmer wurde es aber, als mein Sohn krank wurde und Fieber bekam… am Freitag fühlte ich mich dann auch komisch…ich nahm Daleron zu mir, eine präventive Methode…Daleron ist ein Medikament, das man in jeder der Apotheke bekommt, es hilft gegen Grippe und Erkältung…“

„Neben schmerzlinderndem Paracetamol beinhaltet es „im Wettkampf verbotenes“ Pseudoephedrin, welches die Blutgefäße verengt…es bewirkt eine Linderung des Schnupfens… aus Performance-Sicht stimuliert es die Nerven…“

„Ich hatte nicht geglaubt, dass ich mit Daleron härter fahren könnte als ohne.“

Igor Kopse über den Tag des Rennens…

„Am Tag des Rennens war mein Ruhepuls 50 anstatt 40-43.“

„Wenn dein Puls so ansteigt, ist das ja meist ein Zeichen, dass in 1-2 Tagen eine Krankheit ausbricht…“

„Jetzt startet das unlogische Denken…man tut alles, um den Ausbruch der Krankheit zu stoppen…man schaltet einen Gang höher und nimmt am Morgen eine doppelte Dosis der Daleron Tabletten…eine weitere zu Mittag…das ist natürlich der Moment, an dem ich hätte sehen müssen, dass es falsch ist, am gleichen Tag ein Rennen zu fahren..“

„Ich wurde auf der Webseite des Veranstalters zwar vorab drüber informiert, dass es mögliche Dopingkontrollen gibt – und mit meinen eigenen Augen habe ich ja Leute von der NADA gesehen, wie sie vor meinem Start dort herumgelaufen sind –, trotzdem habe ich mich selbst nicht gestoppt. Das war meine letzte Chance vom Rad zu steigen und das Rennen abzubrechen bzw. nicht zu starten. Das Thema war nur, dass ich mich nicht wie ein Betrüger gefühlt habe oder dass ich etwas falsch gemacht habe…“

„Hätte ich was Verbotenes gemacht, dann wäre ich sofort gerannt, sobald ich die Dopingkontrollen auch nur geahnt hätte… Ich bin aber nicht weggelaufen – vor allem deswegen nicht, weil ich einfach zu sehr dieses Rennen fahren wollte. Ich wollte mich nochmal vor dem Rennen („The Hour“) in Manchester testen.“

Über die anstehende Dopingkontrolle und die möglichen Folgen…

„Scheiße, die Probe wird positiv sein. Mein Gott, du wirst positiv getestet… Du wirst zu 100% positiv getestet… Langsam wurde mir klar, was gerade eigentlich passiert ist…“

„In den folgenden drei Stunden wird dir das komplette Spektrum der Konsequenzen deutlich… Soll ich nun pinkeln? Wenn ich es tun würde, wird es mit Sicherheit positiv sein, das ist sicher! … ich würde zum Doper werden…“

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„Es wäre ein nationaler Skandal, wahrscheinlich wäre es in allen relevanten Medien. Ich wäre für alle Zeiten als Doper gebrandmarkt…Egal, was du tust oder sagst, sobald dein Test positiv ist, verlierst du jegliche Glaubwürdigkeit.“

„Es geht um den Verlust der persönlichen Integrität und der Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit, das ist das, was vor allem schmerzt. Das zählt. Das ist ein Disaster.“

„Nach etwa vier Stunden habe ich mich entschieden, die Sache zu beenden und keine Dopingprobe abzugeben… Ich musste mich zwischen zwei furchtbaren Optionen entscheiden, ich entschied mich aber gegen den positiven Test.“

=> Hinweis d. Red.: wer einen Dopingtest verweigert, kann mit drastischen Strafen belegt werden. Das meint Kopse hier mit den beiden Optionen.

Warum er die Dopingprobe nicht abgab…

„Ich beende das Thema lieber mit einem Verstoß gegen das Vorgehen, als den positiven Test zu haben. Ich wurde bereits 6 Mal getestet, jedes Mal auf dem Höhepunkt meiner Form, nach den besten Leistungen…auch mit meiner Erlaubnis, meine Probe im Bedarfsfall, für spätere wissenschaftliche Zwecke zu nutzen…“

„In 2014 war ich nach meiner super Leistung (431 Watt) bei den Weltmeisterschaften von Ljubljana sogar froh, dass sie mich getestet haben. Ich wurde zweimal innerhalb von drei Tagen getestet. Dieses Mal lehnte ich es aber ab. Ich wollte einfach keinen positiven Test. Ich wollte nicht mit einer Substanz oder einer Methode in Verbindung gebracht werden…“

„Ich hatte mich entschieden, die Datei vom Zeitfahren hochzuladen, ich konnte sie aber eine Woche lang nicht angucken. Könnte ein Fehler sein oder einfach unpassend, ich glaube aber nicht, dass meine Leistung durch das Medikament besonders beeinflusst war. Ich war tatsächlich schneller als in den zwei Jahren zuvor (385 Watt in 2014, 378 Watt in 2015 und 396 Watt in 2016). Ich glaube aber, dass es daran lag, das ich die richtigen Dinge vorweg gemacht habe, das ich einen guten Tag hatte (Leber und muskuläre Glykogenkonzentration, Flüssigkeitszufuhr, Essenszeiten, die richtige Pacing Strategie etc..)… wie auch immer, wenn man denkt, dass die Leistung aufgrund des leistungssteigernden Medikaments ist – ich bin jedenfalls offen für Diskussionen bzgl. biologischer Plausibilität.“

„Am Ende möchte ich mich nochmal bei den Veranstaltern entschuldigen für all die Arbeit beim Rennen und hinterher. Es ist eins der besten Events für all die begeisterten Radfahrer da draußen – man findet kaum ein besseres in dieser Ecke von Europa. “

„Es tut mir sehr leid für Wolfgang Götschhofer. Er hätte an dem Tag gewinnen sollen. Ihm hätte die Aufmerksamkeit und die Krönung gehört…. Ich hätte mich selbst disqualifizieren sollen, als mir die „Begleitperson“ (d. Red.: vermutlich der Dopingkontrolleur) zugeteilt wurde. Ich konnte aber nicht. Ich war wie gelähmt vor lauter Scham und Angst.“

„Ich möchte noch einmal betonen, dass ich mich auf keinen Fall als Opfer fühle. Ich suche auch nicht nach Entschuldigungen oder Mitleid. Ich bin eher enttäuscht über meine eigene Dummheit und Naivität. Die Regeln waren klar und die Grenze sichtbar. Ich war es, der die Grenze überschritten hat. Jetzt ist es an der Zeit, die Verantwortung zu übernehmen.“

Organisator Erwin Mayer zum Thema befragt

Erwin, bist du enttäuscht von Igor Kopse?
Ja, eigentlich schon. Ich hab ihn in den letzten Jahren als lieben netten Kerl kennengelernt und er war für mich ein echter toller Typ. Ihm hätte ich kein Doping zugetraut.

Igor gibt an, dass er aufgrund einer drohenden Grippe zu dem Medikament gegriffen hat. Glaubst du ihm oder ist das in der Beurteilung komplett nebensächlich?
Das mit dem Glauben ist so eine Sache. Bei dem Thema bin ich sehr misstrauisch. Hier halte ich mich an die Entscheidung von NADA und SLOADO.

Was sind die Konsequenzen? Darf Igor nochmal bei Euch starten?
Die Konsequenz ist dass wir, nachdem es von der SLOADO offiziell wird, die Trophäen von ihm zurückverlangen und dem Zweitplatzierten überreichen werden. Wir werden natürlich auch die Ergebnisliste anpassen. Ich denke wir werden in Zukunft versuchen nur Sportlern einen Startplatz zu geben, die keine Dopingvergangenheit haben. Und es wird natürlich auch 2017 wieder Kontrollen geben.

Fazit

Was soll ich davon halten? Ganz ehrlich: Ich habe auch so meine Zweifel. Kann natürlich gut sein, dass Igor, aufgrund einer drohenden Erkältung/Grippe, mit aller Macht versucht hat, das Schlimmste abzuwenden. Ich bin mir aber sicher, dass er auch ein Medikament gefunden hätte, das nicht gegen bestehende Statuten verstößt.

Die Motivation nach dem offiziellen Statement von Kopse ist aus meiner Sicht zu hinterfragen. Kopse wird es ja vermutlich nicht aus freien Stücken tun. Ich nehme an, dass er der slowenischen Antidoping-Organisation vorgreifen möchte. Zudem ist zu hinterfragen, ob es sich tatsächlich um dieses Medikament handelt. Es könnte natürlich auch sein, dass es sich um ein ganz anderes Mittel dreht. Man weiß es nicht. Es wurde ja keine Probe abgegeben. Von daher ist im Nachhinein alles spekulativ.

Fest steht jedenfalls und das war auch der Grund, weswegen ich das Thema aufgegriffen habe: Doping im Jedermannsport lohnt sich nicht!!! Man kann sich vorstellen. welches Drama gerade im Hause Kopse vor sich geht. Und das alles nur wegen eines Jedermann-Rennens? Ich bitte Euch…

Lasst die Finger davon, fahrt sauber und trinkt danach ein Bier!

Wir sehen uns im nächsten Jahr am Attersee beim KOTL 17!

Mal gucken, wer dann wieder Schnupfen, Husten oder Asthma hat…

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