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10 Dinge, die uns in den Wahnsinn treiben. Immer und immer wieder

by Daniel

Dass Rennradfahren eine der schönsten Sportarten ist und bei entsprechendem Gebrauch zur regelrechten Sucht werden kann, habe ich Anfang Juni ja schon beschrieben. Aber, wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten – so ehrlich müssen wir schon sein. Es gibt immer wieder Situationen, in denen ich mir denke: „Mensch, das muss doch auch irgendwie anders gehen.“ Geht’s aber leider nicht. Hier sind die 10 Dinge, bei denen wir immer wieder „Puls bekommen“, ohne die Pedale zu bewegen! Die Liste ist absteigend sortiert. Oben gibt’s einen hohen Puls, nach unten nimmt der Puls ab…

rennrad-wahnsinn

1) Bekloppte Autofahrer

Rennradfahrer und Autofahrer – das ist wie Katz und Maus, Tom & Jerry oder in noch extremeren Fällen: wie Itchy & Scratchy. Ich bin mir sicher: Wenn Werner Schulze-Erdel 100 Rennradfahrer fragen würde: „Nennen Sie uns etwas, das Sie beim Rennradfahren extrem nervt“ – es gäbe neben idiotischen Autofahrern keine zweite Antwort.

Dass wir uns immer wieder in die Haare bekommen, liegt leider an der Natur der Sache – wir teilen uns die Straße. Dass Autofahrer ca. eine Tonne Blech und Metall schützend um sich versammeln – und wir, außer einem ca. 300 Gramm „schweren“ Helm auf dem Kopf, nichts, das macht die Sachlage nicht besser.

Nach gut zwei Jahren auf dem Rennrad hier meine „Highlights“ der Begegnungen mit Autofahrern:

  • Ein Autofahrer versucht mich zu überholen, kommt aber wegen einer relativ schmalen Straße einfach nicht vorbei. Als er es aber dann irgendwann schafft, zeigt er mir seine Freude mit einem erfrischenden Schuss Spritzwasser für die Scheiben – mitten in mein Gesicht. Die rote Ampel 400 Meter später, hatte er nicht auf dem Zettel.
  • Gleiche Straße anderer Autofahrer: Wieder mal kam einer nicht vorbei. Dieses Mal bot er mir keine Erfrischung in Form von Spritzwasser an – dieser nette Zeitgenosse fuhr, als die Straße wieder etwas breiter wurde, ein paar hundert Meter neben mir her – das Seitenfenster komplett runter. Sein Angebot war, dass er mir die Beine brechen könnte. Ich lehnte dankend ab. Was die Konversation ebenfalls trübte, war der inflationäre Gebrauch des Wortes „Hurensohn“ seinerseits. Beim 10. Mal brach ich das Zählen ab.
  • Stichwort „Hurensohn“, aber andere Straße. Ich quälte mich hinter Schäftlarn die kleine Serpentinenstraße hoch, als hinter mir urplötzlich ein junger Mann um die 18 Jahre, Typ Berufssohn, in seinem aufgemotzten Mini Cabrio krass hart abbremste – eine schöne Vollbremsung. In dem Augenblick, ich hörte nur das superlaute Bremsgeräusch, gab ich jede Hoffnung auf, doch noch die Tour de France zu gewinnen. Ich rechnete mit dem Schlimmsten. Was war passiert? Der Vollzeit-Sohn wollte mich aus voller Fahrt überholen, hatte aber in der Fahrschule nicht aufgepasst, dass man das bei keinem „K“ tun sollte. In diesem Fall sogar ein doppeltes „K“: eine kuppige Kurve. Als er mich dann doch überholen konnte, bremste er vor mir kurz ab und plärrte mir ein spätpubertierendes „Fick dich, du Hurensohn!“ entgegen. Die folgenden Nächte weinte ich mich, ob der Intelligenz dieses künftigen Steuerzahlers, in den Schlaf. Nein, tat ich natürlich nicht – ich hatte ja sein Kennzeichen.

Ich merke grade selber, dass man über dieses Thema noch endlos weiterschreiben kann. Ein eigener Artikel wäre sicherlich mal angebracht – deshalb spare ich mir meine Anekdoten von Autofahrern auf, die bei voller Fahrt Whattsapps oder E-Mails verschicken, die einem gar per Beifahrer im Vorbeifahren auf den Hintern hauen oder von auffliegenden Autotüren.

Hast du auch „verrückte“ Geschichten von Begegnungen mit Autofahrern? Lass es mich wissen im Kommentar ;-) Das hat Potenzial…

2) Menschen, Tiere und Kinder

Als Rennradfahrer wird man irgendwann paranoid. Jedes andere Individuum ist eine potentielle Gefahr. Da ich jeden Tag per Fahrrad zur Arbeit fahre – mitten durch die Münchner Innenstadt – kann ich hiervon ein Lied singen. Wenn ich wirklich will, dann kann ich jeden Tag zwei bis drei Unfälle samt Krankschreibung haben.

Besonders Mitmenschen, die aus Bussen rausstürmen und nicht nach links oder rechts gucken – Fußgänger, die nur das Handy im Blick haben, treiben mich zum Wahnsinn. Nur gut, dass die Bremse an meinem Stadtrad superlaut quitscht. Herrlich, wie sie alle zusammenzucken – einem ist sogar mal das Smartphone runtergefallen, was mir natürlich total leid tut. Tiere und Kinder können natürlich weniger dafür, dass auch sie eine Gefahr für uns darstellen, sollten aber von ihren „Erziehern“ entsprechend kontrolliert werden.

3) Auf Radwegen zu fahren

Meines Erachtens ist das Unfallrisiko auf Radwegen deutlich größer als auf der Straße. Auf der Straße ist der Überraschungseffekt für die Autos, Busse und LKWs definitiv geringer. Natürlich nervt es sie, wenn ein Radfahrer vor ihnen rumgurkt und sie nicht vorbeikommen, aber sie sehen uns zumindest.

Bei Radwegen ist das etwas anders. Autos, die aus Ausfahrten rausschießen, Fußgänger, die aus Bussen stürmen und Beifahrer-Türen, die auffliegen und den halben Radweg einnehmen.

Also, in Summe ist der Überraschungseffekt auf der Straße deutlich geringer, dafür sind wir dann aber wieder beim Stichwort „Hurensohn“ von oben. Schwieriges Thema.

4)  Irgendwas ist immer – Pleiten, Pech & Pannen beim Rennradfahren

Früher mal ein sehr puristischer Sport, nahm im Laufe der Jahre die Technik am Rennrad immer mehr zu. Somit ist das Rennradfahren heutzutage ein absoluter Hightech Sport – und es geht immer weiter. Ab kommender Saison schmeißt Sram sogar eine kabellose Schaltung auf den Markt. Keine Kabel mehr – stattdessen Funk. Und wieder erhöht sich die Komplexität am Rad.

Wo soll das noch alles hinführen? Denn selbst bei meinem noch nicht ganz so fortschrittlichen Rennrad vergeht kaum mal ein Monat, wo nicht irgendwas anfällt. Sei es, dass es irgendwo knackt oder schleift, die Schaltung vor einem Radmarathon nicht mehr funktioniert oder während eines Radmarathons in der Abfahrt der Schlauch platzt.

Traurig aber wahr: Irgendwas ist immer!

5) Murphys Gesetz – zur falschen Zeit am falschen Ort

Auch so eine Sache. Jeder weiß, dass das Marmeladenbrot natürlich auf die Seite mit der Marmelade fällt. Bei uns Radfahrern gibt’s hier auch so Analogien: Eine Landstraße, auf der ewig kein Auto kommt – aber genau an der Stelle, wo ich grade mit dem Fahrrad bin, treffen sich zwei Autos und eins davon will mich grad überholen.

Ähnliche Situation erlebt man an Kreuzungen oder auch mit Fußgängern. Oder dieser Klassiker: Man hat immer die Satteltasche mit dem Flickzeug dabei – bei dem einen Mal, wo man ohne fährt, platzt der Reifen.

6) Mist, habe ich vergessen!

Rennradfahren ist ein „Viel-Equipment-Sport“. Im Gegensatz zu Sportarten wie Fußball oder Joggen (ist das eine Sportart?), wo ich meist nur ein paar Schuhe und was zum Duschen benötige, braucht man beim Radfahren eine gute Organisation. Garmin dabei? Check. Garmin aufgeladen? Check. Trinkflaschen dabei? Check. Kleingeld für die Tanke dabei? Check. Tool dabei? Check. Sonnenbrille dabei? Mist, nochmal hoch…

Die Liste der Dinge, an die man denken muss, ist endlos. Das Ganze multipliziert sich, wenn man nicht nur eine normale Ausfahrt im heimischen Revier macht, sondern z.B. in den Rennradurlaub fährt oder zu einem Radmarathon.

Wie oft ich schon zurückgekehrt bin, weil ich was vergessen habe!!!

Hat einer von Euch vielleicht eine Art „Checkliste“ der Dinge, an die man denken muss? Das wäre mal was ;-)

7) Rennrad-Materialschlacht: Schneller, höher und weiter

Wie bei Punkt 4 schon angedeutet: Die Innovationen am Rennrad schreiten mit Volldampf voran. Mitte der Achtziger wurde man noch schief angeguckt, als man per Klickpedale fuhr. 1990 launchte Shimano den STI Hebel – die Kombination aus Schaltung und Bremse – bis dato wurde noch am Unterrohr geschaltet. Und 1999 setzte sich endgültig der Carbonrahmen als der neue Standard in der Rennradwelt durch – Lance Armstrong gewann als erster Fahrer mit einem Carbonrahmen die Tour de France. Die Auflistung könnte endlos weitergehen…

Natürlich ist es toll, wenn die Technik immer besser und sicherer wird. Wenn es neue technische Spielereien gibt, wie z.B. Strava, die uns stundenlang nerdig vorm Rechner sitzen lassen. Aber irgendwann macht mein Geldbeutel das nicht mehr mit. Warum eigentlich auch? Rennradfahren sollte ein puristischer Sport bleiben.

Du, dein Rennrad und die Straße.

Auch das Fahren ohne Tacho ist mal eine sehr angenehme Sache. Höre mal wieder auf dein Herz. Genieße die Natur und lass dich fallen!

Meines Erachtens erhöht die Zunahme der Technik die Komplexität der Sache und verkompliziert wiederum die Einfachheit dieses Sports, was zur Folge hat, dass ich alle 4-6 Wochen in der Werkstatt bin bzw beim Punkt: Irgendwas ist immer!

8) Permanenter Kampfmodus auf dem Rennrad

Das geht mir auch gut auf den Zeiger: Sobald man an anderen Fahrern vorbeifährt, machts hinter einem „Klack, Klack“, der Gang wird hochgeschaltet und die Jungs klemmen sich sofort an das Hinterrad. Aber warum? Was bringt es denen, wenn sie in meinem Windschatten fahren? Dann haben sie doch gar keinen Trainingseffekt?!

Das ist ein Phänomen, das mir 2013 sofort auffiel, als ich meine erste Touren fuhr. Wenn sich zwei Mountainbiker im Gegensatz dazu in der „Wildnis“ treffen, herrscht oftmals eine lockere, entspannte Atmosphäre – bei uns Rennradfahrern ist in der Mehrzahl der Fälle immer Competition angesagt.

Nervt. Braucht keiner.

9) Rennrad-Touren zu fahren, wo ich mich nicht auskenne

Wer mal eine neue Tour fährt, bei der man sich nicht auskennt und den GPS-Track nicht auf dem PC hat, kennt dieses Problem. Alle paar Kilometer muss man anhalten und sich auf dem iPhone vergewissern, dass man noch korrekt unterwegs ist. Das unterbricht das flüssige Fahren und kann auf Dauer nerven.

Bessere Organisation, wie zum Beispiel das Rausschreiben der Orte auf ein Papier, die man passiert, erhöhen den Spaßfaktor.

Ansonsten ist es aber auch ein wunderbares Training für das Gehirn bzw. für den Instinkt, wenn man mal ganz frei nach Schnauze die Touren fährt und sich nur auf sein Gefühl verlässt. Vorausgesetzt, man hat die Geduld. Und das Gefühl.

10) Sonnencreme brennt wie Sau

Auch so eine Weisheit. Bin ich bei den ersten Sommerausfahrten noch mit herkömmlicher (Strand) Sonnencreme im Gesicht gefahren, habe ich schnell gemerkt, dass dies den Spaßfaktor einer Tour vollends zerstören kann. Das Brennen im Auge wird zur nicht endenden Tortur. Da wird mit dem Handschuh gerieben, da wird das Trikot zum Ausreiben genutzt oder gar das wertvolle Wasser aus der Trinkflasche ins Auge geschüttet – so richtig gut wird’s meist doch nicht.

Mittlerweile nutze ich dann meist eine Art „Sportcreme“ vom dm – die senkt zwar spürbar die eben beschriebenen Probleme – aber noch nicht zu 100%.

Hast du Ergänzungen? Please shoot ;-)

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10 comments

Mario 4. Oktober 2015 - 13:30

Musste paar mal gut lachen ;-) Die Erlebnisse mit den Autofahrern hatte ich in ähnlicher Form auch…

Motorradfahrer könnte man noch in der Liste ergänzen!!!

Ein schöner Sonntag.. Und sie machen einem das Leben zur Hölle!!!

LG, Mario

Reply
Jonas 18. Oktober 2015 - 22:31

Hier erwähnst du Laufen und stellst es als Sport infrage.
Was ist dann Triathlon ? Sind das dann zwei Höchstleistungen und eine Sportart die keine ist ?

Meiner Meinung ist jegliche Art der Bewegung so auch Joggen Sport.

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Daniel 18. Oktober 2015 - 23:28

Laufen und Joggen sind meines Erachtens zwei grundlegend verschiedene Dinge… Das war damit gemeint.

Daniel

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Anonymous 25. März 2016 - 0:28

schuhe oben vergessen. wieder hoch… ;)

Reply
Roc 3. August 2016 - 15:47

Danke für die tollen Beiträge. Als Ergänzung zur Sonnencreme. Ich kann dir Sensolar Sonnenschutz – SPF 25 wärmstens empfehlen. Brennt nicht in den Augen und zieht gut in die Haut ein.

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Dominik 5. Oktober 2016 - 10:15

aber das Profilfoto mit Rennrad, Modeschlappen, Bermudahose, rosa T-Shirt, Modebrille und Cappy statt Helm ist schon der Hit! Da rückt die Ernsthaftigkeit des Textes gleich in ein ganz anderes Licht ;-)
Achso… und nicht nur die Beine trainieren, sondern auch mal die Händchen. Schaltung und Co. sind ca. ein mal pro Woche oder alle 300 km fällig. Alle 6 Wochen zur Werkstatt hört sich lustig an ;-)
Weiterhin viel Spaß!

Reply
Daniel 5. Oktober 2016 - 10:31

Danke für das Feedback. Ich werde mich bemühen deinen Tipps nachzukommen. Kannst du mir einen Link schicken, wo ich adäquate Kleidung einkaufen kann?

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Holger 7. Oktober 2016 - 9:09

so true :-)

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Tim 7. Oktober 2016 - 11:59

Zum Thema Autofahrer: Bin vor 2 Monaten quasi ohne Seitenabstand von einem Auto überholt worden, der Beifahrer bewarf mich mit Müll und zeigte mir danach den Mittelfinger. Leider hatte ich meine GoPro nicht eingeschaltet…

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Daniel 8. Oktober 2016 - 13:08

Ohne Worte… Richtig übel..

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