Jack Burke knackt den Ötztaler-Rekord: Seine Wattwerte & Renndaten analysiert!

by Daniel

Dass der Ötztaler Radmarathon 2026 schnell werden würde, hatten viele geahnt – aber die 6:29:21 Stunden von Jack Burke hat die Szene schlichtweg sprachlos gemacht.

Um zu verstehen, wie dieser Fabelrekord zustande kam, reicht ein Blick auf das Gesamtklassement nicht aus. Man muss in die Wattwerte, das Pacing und die Renndynamik eintauchen.

  • Warum wurde die Zeit vor allem in den „Überführungsstücken“ geholt?
  • Wie steckt ein Körper nach 5 Stunden noch 373 Watt am Timmelsjoch weg?
  • Und was bedeutet das für dein eigenes Pacing?

Im großen Q&A ordnet Coach Philipp die Leistungsdaten von Jack Burke sportwissenschaftlich fundiert und praxisnah ein.

Wir haben Jack Burke's Rekordzeit beim Ötztaler Radmarathon analysiert.

6:29:21 Stunden beim Ötztaler – wie außergewöhnlich ist diese Zeit eigentlich und was war dein erster Gedanke, als du das Ergebnis gesehen hast? 

Beeindruckende Leistung von Jack Burke. Der Ötzi 2026 war eine ganz besondere Ausgabe. 19 Starter unter der magischen 7-Stunden-Marke, 6 deutlich unter dem vorherigen Rekord. Und eine neue Bestzeit bei Frauen (Janine Mayer) und Männern. 

Aber wie Burke hier die vorherige Zeit pulverisiert hat…das konnte keiner prognostizieren! 

War Jack Burke an diesem Sonntag einfach außergewöhnlich stark – oder war 2026 generell eine perfekte Ausgabe für eine Rekordzeit?
Er war definitiv besonders stark, wir sprechen später noch zu den Details seiner Leistung. Aber er wurde dabei von vielen außergewöhnlichen Faktoren begünstigt.

Das Feld war stärker denn je. Sowohl in der Elite, als auch in den gesamten Top 50 bis Top 100 wird das Niveau immer größer. Das treibt an, und sorgte dafür, das viel mehr wie im Profibereich gefahren wurde.

Kooperation UND ständiger Druck von KM0. Dadurch wurden fast überall in den Gruppenpassagen (bis Oetz, Innsbruckdurchfahrt, Brenner) deutliche Topzeiten aufgestellt.
Und auch am Kühtai war die Pace sehr hoch. Dort fuhr auch Burke schneller als bei seinen vorherigen Siegen. 

Überraschend: Am Jaufen war er unter anderem 2024 schon schneller. Was zeigt, wie viel Zeit in den „Überführungen“ gewonnen wurde!
Man kann das übrigens in der Übertragung sehr gut sehen. Dort zogen vorne (und vermutlich auch bei den Verfolgern) fast alle an einem Strang! 

Natürlich waren auch die Bedingungen ideal. Sonnig, 15-25 Grad und kaum Wind, der wenn im Rücken stand. Besser geht es kaum! 

Jack Burke's Leistungswerte vom Ötztaler Radmarathon 2026

Wenn wir Burkes Leistungsdaten anschauen: Was sagen 274 Watt Durchschnitt, 324 Watt Normalized Power und 6.648 kJ Arbeit über so ein Rennen aus?
Das sind natürlich herausragende Werte, schon auf dem Papier. Für einen Fahrer unter 70kg (Schätze ihn derzeit auf ca. 68kg) erst recht. 

Man muss dabei immer bedenken, dass es etwas über 1000kJ pro Stunde sind. Den hohen Energiebedarf bis zum Ende decken und die Pace so aufrechtzuerhalten ist genau das, was so eine Leistung erst möglich macht. Es sind nicht unbedingt die Durchschnitte oder die Normalisierte Leistung, die sich extrem von anderen Ausgaben abheben, sondern die unerbittliche Pace am Berg, die Burke hier bis zum Ende halten kann. Und der Fakt, dass die Speicher dabei nicht irgendwann leer sind. 

Schon am Kühtai ging es sehr schnell los: Wie aggressiv war der Rennbeginn und welche Bedeutung hatte dieses frühe Tempo für den späteren Rekord?
Ja, es ging tatsächlich sehr zügig los. Das zeigt die Strava PR von Burke am Kühtai. Und die Durchschnittsleistung am Kühtai ist (ähnlich wie am Timmelsjoch) häufig nicht so repräsentativ für den tatsächlichen Effort. Denn die vielen Flachstücke in der zweiten Hälfte lösen sich mit mehreren Passagen bei 360-400 Watt ab. 

Dazu kommt, für fast alle anderen Starter bedeutete der harte Start folgendes: Ab jetzt geht es mit der Leistung nur noch bergab. Burke konnte sich aber an Jaufen (45min) und Timmelsjoch (über 75min) steigern. Das zeigt, was Eliteleistung bedeutet. 

Der Brenner gilt normalerweise eher als taktischer Übergang als als entscheidender Anstieg. Warum war gerade dieser Abschnitt 2026 trotzdem so wichtig?

Der Brenner wurde von der Spitzengruppe diesmal sehr homogen gefahren. Die fast 10 Fahrer ganz vorne lösten sich ab und erzielten eine Zeit von knapp 1:04:00! Die  gemeinsame Führungsarbeit sorgten zwar für recht hohe Durchschnittswerte bei den Fahrern, aber legten auch den Grundstein für den Rekord. Im Vorjahr waren es für die Gruppe um den Sieger Daniel Federspiel 1:09 Stunden! 

Dann kommt die Attacke in Sterzing: 86 Sekunden mit 537 Watt. War das der Moment, in dem Burke das Rennen wirklich an sich gezogen hat? 

Auf jeden Fall. Das ist natürlich eine starke Attacke. In der World Tour wäre das nichts „Besonderes“, aber bei einem unerbittlichem Marathon wie dem Ötztaler mit ganz anderem Charakter ist das sehr mutig. 

Daher folgte ihm auch nur Anton Palzer und er musste dafür später bezahlen, nachdem er 15min später am Jaufen Burke’s Hinterrad nicht halten konnte erlebt er einen deutlichen Leistungsrückgang, gerade am Timmelsjoch. 

Speziell beim Ötzi ist, dass man so gut wie keine Streichhölzer mit Arbeit über der Schwelle verbrennen darf. Dass das hier klappt, ist bemerkenswert. 

Am Jaufenpass fährt Burke schließlich 45:51 Minuten bei 379 Watt und lässt selbst Anton Palzer zurück. Wie stark ist diese Leistung im Kontext eines fast siebenstündigen Rennens einzuschätzen? 

Der Jaufenpass hat sich immer wieder als der Anstieg gezeigt, bei dem der stärkste Fahrer die Entscheidung erzwingen kann. So war es bei Burke auch schon in 2024 und 2025. Nur: Im Vorjahr musste er dafür am Timmesjoch bitterlich bezahlen. 

Es zeigt auch: Der Ötzi ist ein Wettkampf für die Mutigen, vor allem im Vorderfeld. 3 Stunden vor Schluss eine Attacke zu gehen, wenn noch 30-40KM an Pässen warten, erfordert viel Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit und die Kenntnis der Limits! 

Und natürlich sind 45min bei ca. 5,5 bis 5,6 Watt pro Kilogramm in einem solchen Wettkampf eine Spitzenleistung. 

Wie viel Watt hat Jack Burke beim Ötztaler Radmarathon 2026 an den Anstiegen geleistet?

Interessanterweise scheint die endgültige Entscheidung dann auf der ersten Hälfte des Timmelsjochs gefallen zu sein. Warum waren gerade diese ersten Kilometer des letzten Anstiegs so entscheidend?

Burke fährt in der ersten Hälfte des Timmelsjochs auf 14.3km nochmals 42:58 Minuten bei 373 Watt. Dabei gerät er auf den ersten Kilometern unter Druck von Federspiel, der mit einem Gewaltakt eine 60s-Lücke schließt und bis auf ein paar Sekunden heran kommt.

Aber Jack Burke macht hier das Richtige: Er fährt einfach sein Tempo weiter und reagiert kaum. Dadurch wird es für den Verfolger zu einem mentalen Kampf. Er verausgabt sich um die Lücke zu schließen und muss dann irgendwann reduzieren. Wenn man dann keine Schwäche beim Rivalen sieht, wird es tough. Burke hält dann die Leistung bis Schönau und fährt langsam wieder davon.

Erst als die Lücke sich wieder über 1min befindet, fällt die Leistung auf der zweiten Hälfte etwas ab. 

Was beeindruckt dich an Burkes Pacing am meisten: die absoluten Wattwerte oder die Tatsache, dass er nach fünf Stunden Rennen noch solche Leistungen abrufen konnte?
Die absoluten Wattwerte waren natürlich beeindruckend: 421 W über fünf Minuten, 389 W über 20 Minuten und 363 W über 60 Minuten. 

Aber das herausragende ist seine Ermüdungsresistenz als Resultat aus einem optimierten Training und Verpflegung für den Ötztaler. Seine maximale nachhaltige Pace hat Burke für den Ötzi maximiert. So kann er über viele Stunden 350-380w fahren, ohne deutlich zu erschöpfen. Das sind bei ihm dann ca. 85-93% der Schwelle. 

Das kombiniert mit einem optimierten Stoffwechsel, der ihm erlaubt über Stunden 100g KH oder sogar etwas mehr so absorbieren, ist das Fundament für diese Leistung. 

„Einen Berg können viele schnell hochfahren“. Aber 3 Pässe (und den Brenner), das ist Weltklasse! 

Auf einen Blick: Warum der Ötzi 2026 so schnell war

Was können ambitionierte Ötztaler-Fahrer aus dieser Rekordfahrt tatsächlich lernen – und was sollte man auf keinen Fall versuchen, einfach zu kopieren?

Ich versuche mal, die wichtigsten Take-Aways für Hobbyfahrer strukturiert zusammenzufassen: 

  • Kennt eure Limits und fahrt so gut wie niemals darüber. Wenn eure nachhaltige Pace bei 240w liegt, wird es am Timmelsjoch schiefgehen, wenn ihr am Kühtai 260w fahrt
  • Trainiert das ganze Jahr im Zielbereich. Die „Ötzipace“ sollte sich irgendwann am Training fast leicht und vollkommen natürlich anfühlen
  • Trainiert den Stoffwechsel: Fahrt alle langen Fahrten mit Intensität über Grundlage spätestens ab dem Frühsommer mit einer ähnlichen Verpflegung wie im Rennen selbst
  • DONT: Ihr dürft niemals Attacken fahren, wie es Burke in der Steigung nach Sterzing macht. Denn ihr sitzt deutlich länger im Sattel als er UND eure Ermüdungsresistenz wird nicht auf sein Niveau kommen. Das kommt aus vielen Wochen mit 20h+ Training und mehr als einem Jahrzehnt auf Profiniveau! 

Perfekte Vorbereitung für den Ötztaler Radmarathon
Mit zahlreichen Athleten und Gästen in unserem Bikecamp Mallorca

Wenn du Interesse hast, dass wir das MAXIMUM bei dir herausholen, dann schaue dir gerne unsere Coaching-Dienstleistungen (hier geht’s zur Übersicht mit allen Infos & Details!) an – in einem persönlichen Telefonat können wir dir alles unverbindlich vorstellen.

Anzeige

Das könnte Dir auch gefallen: