Der lächelnde „Killer“: Wie Tadej Pogačar den Radsport kaputt siegt!

by Daniel

[Kommentar von @speedvilleblog] Wir müssen nach der Strade Bianche mal reden. Über den besten Radrennfahrer unserer Generation. Über diesen unverschämt sympathischen „ewig 16-jährigen“ aus Slowenien, der mit einem Lächeln auf den Lippen die Konkurrenz in Grund und Boden fährt. Tadej Pogačar ist ein Geschenk für den Radsport. Und gleichzeitig sein größtes Problem.

Machen wir uns nichts vor: Wer Radsport liebt, muss Pogačar lieben. Er fährt nicht nach Wattmessern, er fährt nach Instinkt. Attacken 80 Kilometer vor dem Ziel? Ein Relikt aus längst vergangenen Tagen, das er mal eben im Alleingang wiederbelebt hat.

Er ist das absolute Gegenteil der roboterhaften Sky-Train-Ära, die uns jahrelang bei der Tour de France in den Mittagsschlaf gewiegt hat

Pogi ist Rock ’n‘ Roll auf zwei Rädern. Er gibt Interviews, bei denen man das Gefühl hat, er käme gerade von einer entspannten RTF mit Kumpels. Ein Ausnahmekönner ohne Allüren.

Das Problem ist nur: Rock ’n‘ Roll macht keinen Spaß, wenn immer nur derselbe das Solo spielt.

Lasst uns ehrlich sein: Viele der größten Rennen im Kalender sind aktuell nach zwei Dritteln der Distanz schlichtweg gelaufen. Wenn Pogačar antritt, gibt es kein Taktieren mehr, kein episches Schulter-an-Schulter-Duell bis zum Schlusskilometer.

Es gibt nur noch ein kurzes Zucken im Feld, und dann beginnt das Verwalten des Rückstands. Die Fernsehkameras zoomen auf einen einsamen Fahrer in Führung, während der Rest der Weltelite aussieht wie eine ambitionierte Junioren-Auswahl.

Ist das große sportliche Kunst? Absolut

Ist es packendes Entertainment, für das man sich vier Stunden vor den Fernseher setzt? Oftmals nicht.

Die Spannung im modernen Radsport mutiert aktuell zum Kampf um Platz zwei. Wir ertappen uns dabei, wie wir hoffen, dass er mal einen schlechten Tag hat, dass er vergisst sich zu verpflegen oder dass die Konkurrenz endlich aufwacht.

Doch das ist ein Trugschluss. Wir sollten sportliche Exzellenz nicht bestrafen, nur weil sie uns nicht den Nervenkitzel liefert, den wir einfordern.

Vielleicht ist die eigentliche Tragödie nicht Pogačars Dominanz, sondern die kollektive Resignation der anderen Teams. Wenn Vingegaard nicht in absoluter Topform am Start steht, wirkt das restliche Feld oft wie paralysiert.

Es fehlt der Mut zum Chaos, die Bereitschaft, alles zu riskieren und dabei vielleicht komplett einzugehen, anstatt den sicheren Podiumsplatz zu verwalten.

Ausnahmen sind aktuell der junge Franzose Paul Seixas (19) und natürlich die Klassikermaschine aus den Niederlanden: Mathieu van Poel. Wenn ich einen vergessen habe, seht’s mir bitte nach.

Einer der Hoffnung macht: Der gerade einmal 19-jährige PAUL SEIXAS – im Video stellen wir ihn dir näher vor!

Pogačar ist ein Jahrhunderttalent

Er zeigt uns, was menschlich auf dem Rad möglich ist. Aber für den Sport als Unterhaltungsprodukt ist er ein zweischneidiges Schwert. Wir beten für Heldenepen und epische Schlachten – und bekommen stattdessen eine meisterhafte, aber eiskalte One-Man-Show serviert.

Wir werden uns in 20 Jahren wehmütig an diese Ära erinnern und sagen: „Wir waren dabei.“ Aber bis dahin müssen wir uns wohl damit abfinden, dass die ganz große Spannung an der Spitze erst einmal Pause hat.

Titelfoto: KI generiert

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