Höhentrainingslager im DACH-Raum: Die besten Locations + Interaktiver Planer

by Daniel

Die Tage telefonierte ich mit einem unserer Athleten, der auf privater Basis per Höhentrainingslager in Kühtai für den Ötztaler Radmarathon trainierte

Ziel: Nochmal die letzten Prozent rauskitzeln, so dass es mit einer „komfortablen“ Zeit unter 8 Stunden für ihn klappt!

Im Zuge dessen kam mir die Idee, euch eine aktuelle Übersicht der besten/naheliegendsten Spots im DACH Raum zu listen, wo IHR ein Höhentrainingslager abhalten könnt.

Prämisse:

  • Schlafhöhe über 1800m
  • gutes Netz an verfügbaren Trainingsstrecken
  • möglichst nah an Deutschland wegen Anfahrt

Herzlichst,
Daniel

Zahlreiche wertvolle Tipps rund um ein Höhentrainingslager in Kühtai
Die Luft wird dünn am Kühtai

Intro: Der Mythos Höhentraining

Fangen wir das Ganze hiermit an: Wie funktioniert das mit dem Höhentraining?


Die Realität: Ab wann ist es echtes Höhentraining?

Die magische Grenze von 1.800 Metern

Um eine echte physiologische Anpassung deines Blutes zu triggern, musst du auf mindestens 1.800 m, besser über 2.000 m über dem Meeresspiegel übernachten und dich dort für den optimalen Effekt mindestens 12 bis 16 Stunden pro Tag aufhalten. Erst ab dieser Höhe ist der Luftdruck so niedrig, dass die Sauerstoffsättigung im Blut signifikant abfällt und dein Körper die Produktion von neuen roten Blutkörperchen spürbar ankurbelt.

Die restliche Zeit kannst du dann durchaus weiter „unten“ trainieren…

Warum unter 1.800 m fast nichts passiert?

Wenn du tiefer schläfst, reicht der hypoxische Reiz schlichtweg nicht aus. Dein Körper merkt zwar, dass die Luft minimal dünner ist, sieht aber physiologisch keine Notwendigkeit, dein Blutbild nachhaltig zu verändern. Wer auf 1.000 oder 1.300 Metern schläft, betreibt aus medizinischer Sicht kein echtes Höhentraining.

Die „Bergtrainings-Falle“ in Deutschland

Regionen wie der Feldberg im Schwarzwald (ca. 1.277 m) oder Oberstdorf im Allgäu (ca. 813 m) sind fantastische Reviere für Rennradfahrer. Du kannst dort überragend Höhenmeter fressen, stundenlang steile Rampen drücken und deine Kraftausdauer (K3) perfekt trainieren – aber es ist ein reines Bergtrainingslager, kein Höhentrainingslager.


Interaktives Tool: Finde deinen Höhen-Spot (passend zum Budget!)

Lasst uns nun angucken, welche der drei Hauptlocations am meisten Sinn für dich, deine Ziele und dein Budget machen. Dafür haben wir mal einen kleinen Kalkulator gebaut.

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Finde in wenigen Klicks die perfekte, echte Höhen-Location im und am DACH-Raum.

Deine Empfehlung

Location

0m Schlafhöhe

Textbeschreibung…

Tipp: Tipp…

Die 3 Höhen-Könige im Detail

Livigno (Italien – direkt an der Grenze)

  • Der Charakter: Der absolute Preis-Leistungs-Sieger und das europäische Radsport-Mekka schlechthin. Durch den zollfreien Status sparst du massiv beim Tanken und Einkaufen, während die umliegenden Pässe (Stelvio, Gavia, Mortirolo) Radsport-Geschichte atmen
  • Anreise (ab Frankfurt, als Referenzwert fürs „Gefühl“): ca. 7,5 bis 8 Stunden (ca. 600 km – je nach Route über den mautpflichtigen Munt-la-Schera-Tunnel)
  • Einwohner: ca. 6.800
  • Wetterstabilität im Sommer: Extrem gut. Livigno liegt in einem geschützten Hochtal und gilt im Sommer als sehr sonnenverwöhnt und trocken. Perfektes Trainingswetter, auch wenn es morgens auf 1.800 m noch knackig frisch ist

Kühtai (Tirol, Österreich)

  • Der Charakter: Fokus und Isolation pur auf über 2.000 Metern. Hier gibt es kein ablenkendes Chichi, sondern nur ein paar Hotels direkt auf der Passhöhe. Ideal für den klassischen Rhythmus „Live High, Train Low“, indem du für intensive Einheiten einfach Richtung Innsbruck oder Ötztal runterrollst
  • Anreise (ab Frankfurt): ca. 4,5 bis 5 Stunden (ca. 460 km – die logistisch am schnellsten erreichbare echte Höhe aus Deutschland)
  • Einwohner: offiziell 31 (reines Hoteldorf, gehört zur Gemeinde Silz)
  • Wetterstabilität im Sommer: Typisches hochalpines Bergwetter. Durch die exponierte Lage auf über 2.000 m kann es im Hochsommer traumhaft stabil sein, plötzliche Wetterumschwünge und Nachmittagsgewitter gehören in den Zentralalpen aber zum Standard-Programm. Windweste ist Pflicht.
Sehr gutes Video von unserem Anton beim Ötzi!

St. Moritz / Engadin (Schweiz)

  • Der Charakter: Die absolute Premium-Option für Profis und alle, bei denen Geld eine untergeordnete Rolle spielt. Das Engadin bietet die perfekte Kombination: Ein kilometerlanges, flaches Tal für Drücker-Intervalle auf Zug, flankiert von Weltklasse-Pässen wie Bernina oder Albula
  • Anreise (ab Frankfurt): ca. 6 Stunden (ca. 530 km – meist stressfrei über die San Bernardino-Route oder via Rheintal)
  • Einwohner: ca. 4.900 (St. Moritz Ort)
  • Wetterstabilität im Sommer: Legendär stabil („Champagnerklima“). Das Engadin profitiert im Sommer oft vom berüchtigten Malojawind und hat im Schnitt über 300 Sonnentage im Jahr. Regenperioden ziehen meist schnell durch

Logistik & Vorbereitung: Die 3 goldenen Regeln für die ersten Tage

Ein Trainingslager in der Höhe ist nun mal per Natur einfach was anderes als Mallorca mit uns im März! Da braucht man nicht lange drumherum reden…

  • dünne Luft
  • arschwenig los
  • oftmals steile Anstiege um dich herum

Für viele klingt es vielleicht erstmal reizvoll nach „Profitraining“, du solltest dir aber bewusst sein, dass es da oben nach einer gewissen Zeit sprichwörtlich „sehr dünn“ wird…

Hinzu kommt die Tatsache, dass ein Trainingslager in der Höhe seine Wirkkraft nicht schon nach 4-5 Tagen entfaltet, damit du einen spürbaren Impact hast, solltest du MINDESTENS 14 Tage in der Hohe sein. Das Optimum sind hingegen 21 Tage..

Nochmal: 2-3 Wochen oben alleine in der Höhe – das ist schon was!!! Da solltest du natürlich zwingend vorweg dein Mindset drauf einstellen/programmieren ; )

Ist also definitiv was anderes als Mallorca (siehe Ausschreibung zum Bikecamp Mallorca) im März und abends noch lecker Bierchen am Strand trinken (siehe zB die Highlights von unserem SpeedVille Bikecamp Mallorca)!!

Kaffeestopp in Deia
Mallorca im Frühjahr ist ein anderes Bikecamp :-)

Damit die ganze Nummer nicht zum Albtraum wird, hier 3 größere Fallgruben für die HÖHE…

  • In den ersten 48 Stunden nach der Ankunft auf über 1.800 Metern gilt absolutes Intensitätsverbot. Dein Körper hat in der dünnen Luft ohnehin schon Stress (erhöhter Ruhepuls, schlechterer Schlaf) – wer jetzt direkt am ersten Pass Intervalle ballert, zerstört seine Regeneration für die kommenden Tage
  • Die Marschroute: Die ersten zwei Tage wird ausschließlich extrem locker gekurbelt. Lass dich nicht von Strava-Segmenten triggern, sondern gewöhne deinen Organismus erst an das neue Umfeld

  • Die Alpenpässe rund um Livigno oder das Kühtai sind steil – teils sehr steil. Wenn du hier mit einer klassischen Heldenkurbel oder einer zu sportlichen Übersetzung auftauchst, wirst du in der dünnen Luft schlichtweg verrecken. Jede Trittfrequenz unter 70 Umdrehungen pro Minute treibt deinen Puls in der Höhe sofort in den roten Bereich
  • Die Marschroute: Reise nicht ohne eine echte Bergübersetzung an. Mindestens ein 32er, besser ein 34er Ritzel hinten in Kombination mit einer Kompaktkurbel vorne (50/34) sind Pflicht, um überhaupt im aeroben Bereich die Berge hochzukommen

  • Ein Trainingslager in der Höhe bedeutet extremen Kalorienumsatz – du wirst viel einkaufen MÜSSEN. Hier gibt es zwischen den Spots massive Unterschiede, die du logistisch einplanen solltest
  • Die Marschroute: In St. Moritz (Schweiz) kostet der Supermarktbesuch quasi ein Vermögen (Hallo Schweiz!!!); hier lohnt es sich fast, haltbare Sportlernahrung vorab aus Deutschland mitzubringen. In Livigno (Italien) profitierst du dagegen vom zollfreien Status – Lebensmittel, Restaurants und vor allem Tanken sind hier recht günstig. Im Kühtai gibt es oben auf der Passhöhe kaum Infrastruktur (keinen riesigen Supermarkt), weshalb du Besorgungen am besten direkt im Tal (z.B. in Ötz oder im Inntal) vor dem Aufstieg (Hinfahrt) erledigst

Fazit: Welcher Spot ist der richtige für dein Höhentrainings-Lager?

Wie immer sehr subjektiv. Für mich wäre der richtige Spot aber wahrscheinlich Kühtai wegen der Nähe zum Ötztaler und natürlich wegen der Nähe zu Deutschland. Hier kannst du natürlich zahlreiche Anstiege rund um den Ötztaler und/oder Imster Radmarathon abfahren…

Ansonsten würde ich zu Livigno tendieren. Einfach ein bisschen BELLA Italien und nah am Stelvio.

St. Moritz/Engadin war ich selbst noch nie mit dem Rennrad (nur mal per Auto gen Comersee durchgefahren) – natürlich sehr schön, aber mir auch etwas teuer…

Viel Spaß in der Höhe!

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