So gewinnst du den German Cycling Cup – Hanno Rieping gewährt uns einen Blick hinter die Kulissen!

by Daniel

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(GCC) Rad am Ring – Nürburgring

Hanno Rieping

Rad am Ring, der „Alpenmarathon“ der GCC-Serie. Ein Name, der alle Fahrer über 70 kg zusammenzucken lässt – sind doch auf der langen Strecke über 3000 hm und 150 km zu bewältigen.

Was war das Ziel für das Team Strassacker?
„Unser vorrangiges Ziel war es natürlich, die Teamwertung wieder zu gewinnen und wenn möglich, das Gelbe Trikot zurückzuerobern“, schildert Hanno Rieping.

Und das eigene Ziel?
„Naja, mega zufrieden wäre ich natürlich mit einem Podiumsplatz gewesen, denn nur auf dem Podest kann man wirklich Punkte gutmachen, so sind halt leider die GCC-Regeln. Aber da muss man schon realistisch sein, denn es war ja klar, dass extrem starke Fahrer wie Bernd Hornetz mit seinem ganzen Team Corratec am Start sind und darüber hinaus noch weitere belgische „Gran-Fondo-Spezialisten“. Für diese Marathon-Jungs brauche ich bei meinem Gewicht nochmal deutlich mehr Watt in den Beinen, um die am Berg zu schlagen.“

Wie hast du das Rennen erlebt?
„Kaum fiel der Startschuss, fuhr das Feld los, als ginge es nur 6 Runden über den Grand Prix Kurs. Ein sehr schneller Beginn, wussten doch alle, dass man sich zur Einfahrt in die „Grüne Hölle“ sehr weit vorne positionieren muss. Die erste Runde war also „höllisch“ schnell. Erst einmal im Pulk mit 100km/h die Fuchsröhre runter, ein echt krasses Gefühl – auf der einen Seite findest du es toll, mal so schnell zu fahren und mit der Qualität des Asphalts auch kein großes Problem, aber dann wirst du für eine Zehntelsekunde nachdenklich und überlegst: Wenn ich jetzt abschmiere, dann ist wohl wochenlang Ganzkörpergips angesagt.

Also schnell wieder Konzentration auf die Strecke. Dann ging es das erste Mal das Bergwerk zur Hohen Acht hoch. Da haben die Jungs vom Team Corratec derart draufgedrückt, dass einem ein wenig die Luft weggeblieben ist. Mit Mühe und Not konnte ich in der ersten Runde noch dran bleiben, musste aber in der zweiten leider reißen lassen. Als es die „Hohe Acht“ hochging – ich hatte zwar schon viel darüber gehört, bin sie aber noch nie gefahren – ich dachte wirklich, es geht da senkrecht in den Himmel. Da hätte ich glaube ich lieber ein MTB gehabt. Auf jeden Fall war es am Schluss ein echtes Ausscheidungsfahren über 150 km.

Im Finale bin ich dann auf der letzten Rille und mit Krämpfen in beiden Beinen den letzten kleinen Anstieg im Windschatten der DKS-Jungs hochgefahren. Die haben nochmal alles gegeben und hart am Horn gezogen und wollten die Gruppe schon vor der Zielgeraden sprengen. Am Ende konnte ich aber doch noch den Sprint meiner Gruppe gewinnen und war mit Platz 7 sehr zufrieden.“

Im GCC-Klassement konnte Hanno Rieping einige Punkte auf das Gelbe Trikot gutmachen; Sprinter Daniel Knyss kam mit einem respektablen 20. Platz ins Ziel.

(GCC) ŠKODA Velorace – Dresden

Das Velorace in Dresden war der nächste Stopp des GCC-Tross. Diesmal ging es auf mehreren flachen Runden durch das sogenannte Elbflorenz.

Wie hast du das Rennen erlebt Hanno?
„Wir wussten, dass es nicht wie bei bergigen Strecken, eher einfach ist, eine Gruppe zu bilden, indem man Vollgas von vorne fährt. Auf solch flachen Kursen muss man noch taktischer fahren und den Kurs besser lesen. Es gibt zwei Stellen auf der Strecke, die sich dazu eignen, die anderen Fahrer zu überraschen. Ganz aufgegangen ist dabei der Plan unseres Teams diesmal nicht, alle waren hellwach und haben immer reagiert, wenn wir was versucht haben.“

Für Hanno Rieping wäre das Rennen in Dresden am Ende fast noch zum Verhängnis geworden: „Nachdem sich ja keine Gruppe gebildet hatte, stand der Massensprint an. Und da hatte ich Glück im Unglück, denn 200 m vor dem Ziel scherte ein vor mir liegender Fahrer bei voller Geschwindigkeit plötzlich nach rechts aus und drückte mich mit Körperkontakt in Richtung Bande. Mit mehr Glück als Verstand habe ich es geschafft, nicht über die Absperrung zu fliegen, musste aber voll in die Eisen gehen. Ich habe dann ausrollen lassen, so dass ich weiter hinten landete. Aber alles kein Problem, Dresden war dann einfach eines meiner zwei Streichergebnisse.“

Wie findet er das GCC-Rennen in Dresden?
„Dresden ist ein sehr schöner, auch gut organisierter Stadtkurs – mir persönlich fehlt aber etwas die Raffinesse bei diesen Stadtkursen – eine Schleife mit einem Anstieg im Umland – so wie vor vielen Jahren – würde dem Kurs sicherlich sehr, sehr gut tun, auch wenn ich weiß, dass dies viel schwerer zu organisieren ist.“

Es ist ein gutes Rennen, aber nicht sein Favorit. Das Rennen dürfte für seinen Teamkollegen Christian Thomas positiver in Erinnerung bleiben, der das Rennen erstmalig gewann.

(GCC) Rothaus Riderman – Bad Dürrheim

Hanno Rieping

Hanno Rieping beim EZF

Sieben Rennen waren absolviert, im Schwarzwald sollte es beim dreitägigen Riderman zum echten Showdown zwischen Hanno Rieping und Daniel Knyss um das Gelbe Trikot kommen. Und das nicht zufällig, gilt doch dieses top organisierte Etappenrennen als extrem schwer und schon immer vorentscheidend für den GCC.

Die erste Etappe ist das traditionelle EZF, und das ist für einen Mann in seinem Alter offensichtlich eine echte Herausforderung: „Ich bin mein letztes EZF in 2004 gefahren. Ich kann zwar für längere Zeit viel Watt treten, bin aber in den letzten Jahren einfach etwas ungelenkiger geworden, so dass ich nicht mehr in eine so aerodynamische Position komme wie früher, ohne stark an Watt zu verlieren. Heißt als Resultat also: weniger Speed bei gleicher Wattleistung. Denn beim Zeitfahren ist es absolut entscheidend, den besten Kompromiss aus Aero-Position und Watt auf dem Pedal zu finden.“

Dass er mit nur 6 Sekunden Rückstand auf Platz drei landete, stimmte ihn zu Beginn der drei Etappen mehr als zufrieden.

Wer hatte das EZF gewonnen?
„Unser Christian Thomas ist auf Platz zwei gelandet. Tom Walter von Merkur Druck hat das EZF gewonnen. Beim Anblick der Bilder im Nachhinein könnte man auch fast sagen, es hat derjenige gewonnen, der am besten auf dem Zeitfahrrad saß – ganz großes Lob an Tom, das sah stark aus, sich so flach auf seinem Zeitfahrrad machen zu können! Da ist normalerweise viel Stabitraining und Stretching nötig, um dann noch die Watt aufs Pedal zu bringen. Gut, dass der junge Kerl in 2018 für Strassacker fährt ;-)

Taktik für die zweite Etappe? Ohne das Gelbe Trikot!

Die zweite Etappe bot nach Rad am Ring eine weitere Chance, Punkte auf das Gelbe Trikot gut zu machen. „Für uns war nach dem guten Auftakt die 2. Etappe dann absolut entscheidend. Unsere Taktik war es, mit einer möglichst großen Gruppe ins Ziel zu kommen – natürlich ohne das Gelbe Trikot des GCC.“ Und was dann an diesem Tag passierte, versetzt Rieping immer noch ins Schwärmen.

„Wir wussten, dass es eine der letzten Chancen ist, doch noch das Gelbe Trikot zurück zu gewinnen. Der Kurs war bock hart. Ich hatte ihn im August besichtigt und kannte die Anstiege somit sehr gut. Wir hatten uns den schwersten herausgesucht und sagten uns: hier oder nirgends.

Im Rennen selbst sind wir dann als Team immer ganz weit vorne gefahren und mit 5 Mann in diesen besagten Berg nach Ewattingen reingefahren. Ich muss sagen, dass das eigentlich schon fast ein Bergsprint war. Anthony Spysschaert von DKS, der für seine angriffslustige Fahrweise bekannt ist, ist gleich am Anfang voll reingeknallt. Ich wusste, dass, wenn ich da voll mitgehe, ich wahrscheinlich überpowern würde. Also bin leicht unter meinem Maximalbereich gefahren und habe nicht überzogen. Oben hatte ich dann ein ca. 150 m großes Loch zu den stärksten Bergfahrern, war aber noch entspannt. Ich wusste, dass ich zwei der Besten in den eigenen Reihen hatte. Florian Vrecko und Christoph Mai.

Die beiden haben mich dann wieder an die Spitze herangeführt. Was dann passiert ist, hab ich in 25 Jahren Radsport so noch nicht erlebt: Die Jungs haben den Rest der Strecke nahezu alles von vorne gefahren. So schnell, dass auf den nächsten, welligen 20-30 km so mancher top gehandelte Fahrer aus unserer Spitzengruppe hinten rausgefallen ist. Das Team hat dann also den Rest der 2. Etappe absolut kontrolliert und ich konnte mich im Sog der beiden etwas für das Finale schonen.

Die letzten Kilometer der Etappe sind dann extrem schnell gewesen mit ständigen Attacken. Wir konnten aber alles zusammenhalten, so dass es zum Sprint einer kleinen Gruppe kam. Auf der Zielgeraden, nach 110 km, war ich dann entsprechend fertig, so dass ich gar nicht mehr so genau weiß, wie ich den Sprint gewonnen habe, ich habe nur noch Sternchen gesehen. Aber den Sieg auf dieser Etappe war ich meinen Jungs mehr als schuldig nach deren Tagesleistung. Ansonsten hätte ich glaube ich auch auswärts schlafen müssen.

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Alles in allem war das wahrscheinlich die beste Teamleistung, die wir dieses Jahr abgeliefert haben. Da sind sogar ein paar andere Teams zu uns gekommen und haben uns Respekt gezollt. Das macht dann schon verdammt stolz in einem solchen Team zu sein.“

Hanno Rieping übernahm nach der zweiten Etappe auch das Gelbe Trikot des Gesamtführenden beim Rothaus Riderman.

Fuchs Christian Müller siegt auf der 3. Etappe

Trotz des Siegs vom ehemaligen UCI-Amateurweltmeister war die dritte Etappe ein riesen Grund zum Feiern:

„Christian Müller fuhr die Löcher, die wir in den Bergen rausgefahren haben, immer wieder zu, da waren wir vorne auch nicht konsequent genug – und am Schluss nutzte er seine ganze Erfahrung und schoss in Aero-Haltung auf dem Oberrohr sitzend in die Abfahrt, um den Tagessieg nach Hause zu holen. Das war schon sehr stark und ausgefuchst und hat mich für ihn auch sehr gefreut.“

Hanno Rieping ergänzt: „Christian Müller ist immer fair und schont sich nie, das finde ich top im Radsport. Letzten Endes war der Ausgang der 3. Etappe für die Gesamtwertung auch nicht mehr entscheidend, da wir den Sieg schon in der Tasche hatten. Kai Miebach ist auf dieser schweren Etappe dann noch Zweiter geworden, das hat mich sehr für ihn gefreut. Schlussendlich hatten wir nach dem Riderman auch das Gelbe Trikot des GCC wieder in den Reihen des Teams“.

Hanno Rieping und seine Strassacker-Kollegen fuhren als Führende der Team- und Einzelwertung zum Saisonfinale nach Münster. Riepings Vorsprung betrug 14 Punkte.

(GCC) Sparkassen Münsterland Giro

Team Strassacker 2017

Mit Gelbem Trikot nach Münster

„Die Renntaktik in Münster war für uns schnell klar: Wir mussten das Team Merkur immer bei der Arbeit halten und vorne Leute rausschicken, denn im Idealfall sind die Podestplätze schon weg, wenn ich mit Daniel auf die Zielgerade einbiege.“

Ständige Attacken sorgten dafür, dass selbst Kapitän Daniel Knyss so manches Loch zufahren musste und sein Team nicht zur Ruhe kam. „Im letzten Drittel des Rennens hatte sich dann die entscheidende Gruppe absetzen können. Leider nur zwei Fahrer von Leeze und dem Rad Pack, aber besser als nichts. Die beiden fuhren dann extrem stark einen größeren Vorsprung heraus und wurden auch nicht mehr gesehen.

Stefan Reimer von Leeze hatte dann die besten Beine und verdient gewonnen. Das hat mich sehr gefreut, denn morgens hatte ich ihn noch zufällig im Parkhaus getroffen. Da haben wir ein bisschen über Taktik und Ziele gesprochen; ich sagte ihm, dass unser Ziel heute nicht unbedingt ein Tagessieg ist. Manchmal muss man sich auch mal Verbündete holen, so ist Radsport.“

Am Ende kam Hanno Rieping als Vierter ins Ziel, einen Platz hinter Daniel Knyss. Und diese Platzierung sollte für den Gesamtsieg beim GCC in der Einzelwertung reichen. Die Freude war entsprechend groß.

Hanno Rieping zieht sein Fazit zur 2017er Saison

Hanno Rieping

Podium des GCC 2017: Knyss, Rieping, Miebach

„Es war schon eine Hammersaison, die für das Team Strassacker so erfolgreich wie nie zuvor war. Aber ehrlich gesagt freue ich mich nun auch, den Fokus mal wieder auf andere Dinge als Radsport zu legen. Obwohl wir allen Grund zum Feiern haben, sind „Cup Rennen“ von April bis Oktober ziemlich aufreibend und vor allem psychisch anstrengend. Das ganze Jahr bist du gefangen in Gedanken wie „Hoffentlich komme ich sturzfrei durchs Jahr“ oder „Wie viel Punkte brauche ich denn noch, um den einen oder anderen einzuholen“ oder „Wo stehe ich eigentlich in der Altersklassenwertung und kann ich da noch einen Sprung machen?“ oder nicht zuletzt die Gespräche mit der Familie, wann denn dieses Jahr endlich Schluss ist und man an den Wochenenden mal wieder was anderes machen kann.

Aber letztlich ist gerade der GCC eine tolle Chance, mit Gleichgesinnten auf abgesperrten Straßen seinem Lieblingshobby nachzugehen. Die Rennen sind vielfältig, für jeden ist etwas dabei – alle haben ihren speziellen Reiz.

Am Ende bleibt aber vor allem der positive Eindruck bei uns im Team Strassacker hängen. Wir hatten immer eine super Stimmung und die Jungs haben sich das ganze Jahr füreinander, und vor allem für mich, den Allerwertesten aufgerissen: Sozusagen „Einer für alle und alle für einen!“.

Das hört sich zwar ein wenig „Cheesy“ an, stimmt aber, und wird bei uns zu 100% gelebt. Dass ich am Ende derjenige sein konnte, der den GCC gewinnt, war nur mit diesem Team möglich, das muss klar sein. Radsport ist Teamsport.“

In dem Sinne, Gratulation an Hanno Rieping und dem Team Strassacker.

Auf eine erfolgreiche 2018er-Saison.

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Fotos: Team Strassacker

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