Rennbericht Kufsteinerland Radmarathon: Kante & Ronny – wenn zwei Welten aufeinander treffen!

by Daniel

Von Kante Kowalskyie

Nach dem Aufruf auf Youtube (abonniert mal den Youtube Kanal!) hatten wir den Ronny als Mitstreiter für den Kufsteinerland Radmarathon ausgewählt. Nach der ersten Kontaktaufnahme und Absprache der Details vor Ort war klar – das wird hart, aber ssssuuuper.

Ronny und ich hatten uns für den Tag vor dem „Kufsteiner“ zu einem Warm-Up und einer Minivorbelastung in Kufstein verabredet.

Ich hatte uns die Starterbeutel besorgt und nachdem der Inhalt inspiziert, und die üblichen Starternummern und so weiter montiert wurden, konnte es auch schon auf die Straße gehen.

Starterbeutel und dann Warm-Up

Die Ausgabe der Starterbeutel war ein wenig versteckt, in einem kleinen Raum, in einem Gebäudeteil des Kulturhauses und da in einem Hinterhof. Das war die erste Challenge. Check.

Unser kleiner Ausflug war für Ronny laut eigener Aussage und seinem Strava-Post ein „Warm Up am Limit“.

Naja, sagen wir mal so: Wir sind von Kufstein aus in Richtung Thiersee gefahren und da muss man eben nun mal einen kleinen Anstieg hinauf nehmen. Hilft ja nix.

Ich hatte jetzt nicht das Gefühl, dass wir uns am Limit bewegt haben, aber da hat ja jeder seine eigene Wahrnehmung.

25er Schnitt kannste heute haken

Ich habe nach den ersten paar hundert Metern allerdings dann auch bemerkt, dass das am nächsten Tag wohl nicht der geplante 25er (+) Schnitt bei der Nummer wird. Ist aber auch nicht schlimm. Geht ja um nix (aber wie immer dann irgendwie doch um alles).

Dass Ronny und ich unterschiedliche Trainingszustände haben, war uns ja vorher schon klar. Also alles cool. Kein Gehirsche.

Ich hätte danach, bzw. am Abend, noch gerne eine Pastaparty oder ein Rahmenprogramm rund um den Kufsteiner erlebt, leider war aber in dem schönen Örtchen unweit der Grenze nach Deutschland keine solche geboten. Schade. (Anm. Daniel, freut sich wirklich wer auf die Pastaparty??)

Der nächste Tag:

Ausgeruht, dank dem tollen Hotel „Arte Kufstein“ und einem ausgezeichneten, aber etwas zu zeitnahem Frühstück (weil Frühstück im Hotel erst ab um 07.00 und Start um 08.00 Uhr) ging es an den Start.

Wir waren beide guter Dinge, das Wetter war bestens und das kleine aber feine Starterfeld war bereit.

Gegenstück zu den Cyclassics

Etwa 700 Teilnehmer in Kufstein vs. 18.000 in Hamburg bei den Cyclassics. Da kann man fast schon von familiär sprechen. Gefällt mir.

Und los geht´s.

Neutralisierter Start. Raus aus dem Ort und Richtung Thiersee.

Ronny erzählt mir auf dem Weg zum ersten Anstieg noch, dass er „gerne“ mal den Ötztaler fahren würde. Diese Meinung sollte sich in den nächsten Stunden noch geringfügig ändern.

Wie schon am Vortag hatte ich Ronny schnell verloren. Kein Problem. Ich drehe um, fahre neben ihn und gehe sein Tempo mit – wir haben ja Zeit.

Anstieg nach Thiersee

So geht es nun hoch zum Thiersee, rund herum und wieder hinab nach Kufstein. Habe Spaß, die Sonne kommt raus und die Leute die vor und hinter uns fahren, denken sich bestimmt: Der Trottel mit den Tattoos. Was ist sein Problem?

Der fährt die ganze Zeit Vollgas hoch, dreht um, fährt wieder runter und das ganze wieder von vorne.

Will der uns ärgern oder ist der einfach nur blöd?

Ein bisschen was von beidem würde ich sagen. Aber eigentlich fahre ich nur zwischendurch ein bisschen mein Tempo und fange mich dann wieder ein, um meinen Mitstreiter Ronny zu unterstützen.

Ronny der Kämpfer

Ronny ist ein Kämpfer. Und er hat zu kämpfen. Wir sind beide keine Bergziegen, aber Ronny hat zwischendurch sichtlich Mühe mit der Steigung und den Ötztaler wahrscheinlich auf das Jahr 2033 verschoben. Hoffe ich für Ihn.

Ich spreche Ihm immer wieder gut zu und kümmere mich um seine Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme.

Erste Labestation: Es gibt nur Wasser aus Plastikflaschen in Plastikbechern. Das mag ich nicht. Geht auch anders. Pappbecher zum Beispiel. In Sachen Umweltschutz und Ressourcenschonung ist der Radsport manchmal noch etwas hinten dran.

Wasser getankt wie zwei Dromedare und weiter geht’s.

Leicht wellig und langsam aber sicher in Richtung Brandenberg (siehe Daniels Rennbericht vom Kufsteinerland RM 2016). Es riecht nach 14-18% Steigung. Ich freue mich, weil ich ein Masochist bin.

Ronny auch. Er tut zumindest so.

Brandenberg – und Ronny fährt auf Kante

Da ist er nun: Lang, steil, gefürchtet, hart und der sogenannte Scharfrichter des Kufsteinerland Radmarathons: der Brandenberg.

Wir schalten runter und lassen es langsam angehen.

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Wie zwei Faultiere auf Rädern kurbeln wir uns den Anstieg hoch. Ronny sagt was von Absteigen und ich rede auf ihn ein, es nicht zu tun, sonst würde ich es in der Kolumne als Überschrift verwenden: „Ronny der Absteiger vom Kufsteiner“.

Ronny ist eine Kämpfernatur. Er bleibt sitzen und kurbelt brav weiter. Ich quatsche ihn weiter voll. Dem bleibt heute nichts erspart.

Oben angekommen: Es wird wieder gelabt. Das grenzt ja fast schon an Völlerei. Der „Kufsteinerland Fre**marathon.“ Noch ne Labe.

Nach einer Cola und einem Riegel geht es nun erstmal bergab. Tut das gut.

Mich überholen zwei exakt gleich Porsche RS2 in blau. Sounds and looks good to me. Die fahren ihren eigenen Kufsteiner mit jeweils 420 PS.

Ansonsten war an dem Tag nicht wirklich viel Verkehr. Obwohl die Straßen nicht gesperrt waren, waren kaum Autos oder Motorräder unterwegs.

Gefällt gut.

Tempo bolzen

Wieder schön wellig und Tempo machen. Krasse Teilstücke in der Abfahrt. Hier kann es ziemlich gefährlich werden, denke ich so bei mir. Ich fahre in eine nicht einsehbare Kurve und was muss ich sehen? Sanitäter und ein Radler auf dem Boden. Aber halb so wild. Nur leicht gestürzt. Trotzdem blöd.

War aber auch der einzige Vorfall, den ich gesehen habe an dem Tag.

Ich bleibe stehen und warte auf Ronny. Flaches Teilstück: Vollgas. Ronny gibt das Tempo vor und fliegt an mir vorbei. Der Typ kann Attacke. Cool. Hinterher. Schön ausruhen im Windschatten.

Autsch. Vorbei. Berg. Steil. Wieder zwischen 16 und 18%. Make Faultiere am Berg again.

Einige steigen ab und schieben. Ich höre einen älteren Herren mit ostdeutschem Akzent (nicht Ronny) zetern:

So eine Scheiße. Ich brauch ne Kompaktkurbel. Und mit der Übersetzung wird das auch nix

Ist ja nicht so, dass man sich so ein Streckenprofil nicht vorher ansehen kann und das Equipment kann man sogar kaufen ;-) Selber schuld Vati! Musst im Erzgebirge halt mal öfter die Steigungen fahren.

Ronny? Wo ist eigentlich Ronny? Ich drehe mich um und sehe Ronny mit sich selbst und gegen den Anstieg kämpfen. Tapfer! Auf geht´s Ronny! Ich feuere ihn an und schon sind wir oben. Juhu. Aber das sollte noch mal was kommen… Sorry.

Sehr nette, freiwillige Helfer

Erstmal wieder bergab und bisschen wellig. Tolle Gegend rund um Kufstein. Wirklich schön. Auch die ganzen freiwilligen Helfer, die mit Warnwesten und Fahnen an den Kreuzungen und Kreisverkehren stehen und uns den Weg weisen, lächeln und winken freundlich.

Ich werde die Österreicher nicht doch noch irgendwie mögen? Ich bin verwirrt.

Und schon wieder laben!

Kein Scherz. Ich mag nix. Ich brauch nix. Das ist zuviel Essen für mich. Ronny zieht sich ne Cola und so Isozeugs rein. Ich will ein Schnitzel mit Pommes!

Die letzten 30 Kilometer

Endspurt. Die letzten 30 km. Easy rollen. Flach ins Ziel. Wir freuen uns. Und dann das: Ein Stich nach oben. Kurz aber sehr steil.

Ronny stöhnt. Will nicht mehr. Ich sehe in sein Gesicht. Ronny leer. Flasche leer. Aber er kämpft sich hoch. Geschafft.

Jetzt ab nach Kufstein. Schön flach dahin und wir reden über Gott und die Welt auf dem Weg nach Kufstein. Jetzt hat er auch wieder Luft dazu.

Wir rollen in den Ort, über die Ziellinie und die Worte des Moderators sind Musik in unseren Ohren: Sie haben es geschafft. Gratulation.

Fazit vom Kufsteinerland Radmarathon

Es war ein toller Tag. Bei der einen oder anderen kleinen Gelegenheit gab es (siehe oben) noch etwas Luft nach oben, sonst hat es richtig Spaß gemacht, eine schöne familiäre Veranstaltung. Kufstein und Umgebung gefiel sehr gut.

Mit Ronny hatte ich einen tollen Mitstreiter, der alles gegeben hat und weit über seine Grenzen gegangen ist.

Meinen größten Respekt, Ronny!

Ich weiß nicht, ob ich an Deiner Stelle, das so durchgezogen hätte. Ich würde jederzeit wieder mit Dir fahren, wenn es sein muss auch den Ötztaler!

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Fotos: Tourismusverband Kufsteinerland, Erwin Haiden, Ronny Sennholz, Michael Kannacher

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