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Giro Imperial Rennradschuh im Langzeit-Test

by Daniel

Mein Eindruck: Über kaum etwas macht man sich beim Rennradfahren so wenig Gedanken wie die Schuhe.

Hat man erst einmal ein gutes Paar Rennradschuhe gefunden, fährt man sie in der Regel, bis sie völlig abgenutzt oder bei einem Sturz kaputt gegangen sind.

Dabei hat sich bei Rennradschuhen in den vergangenen Jahren durchaus viel getan:

  • neue Verschlusssysteme
  • leichter, steifer, atmungsaktiver
  • eine bessere Kraftübertragung
  • und dennoch bequemer

All das preisen die Hersteller immer an, wenn sie einen neuen Schuh auf den Markt bringen.

Irgendwie auch naheliegend.

Einiges neu beim Giro Imperial

Wer bringt schon ein neues Produkt auf den Markt und bewirbt es damit, dass es schwerer, instabil, unbequemer und kaum atmungsaktiv ist? 

Auch der Imperial ist so ein Schuh, bei dem der Hersteller Giro einige Verbesserungen verspricht. 

Komfort & Alltagstauglichkeit

Insbesondere Komfort und Alltagstauglichlichkeit sollen beim Imperial deutlich erhöht sein, ohne dass sich dies negativ auf Steifigkeit und Kraftübertragung aufs Pedal auswirkt. 

Verantwortlich hierfür soll der Dual-Boa®-IP1-Verschluss mit Soft-Lace-Führung sein, der laut Giro ein schnelles und passgenaues Einstellen gewährleistet.

Thermoplastische Teijin®-Polyurethan-Verstärkungen sollen den Schuh insgesamt strukturell deutlich stabiler und gleichzeitig komfortabler machen.

Giro Imperial Rennradschuhe

Steifigkeit & Kraftübertragung

Für die hohe Steifigkeit und Kraftübertragung aufs Pedal soll die Easton® EC90-SLX2-Carbonfaser-Sohle sorgen. 

Wie bereits bei früheren Giro-Modellen, besitzt auch der Imperial wieder das anpassbare Super Natural Fit-Fußbett, der nicht nur Komfort, sondern auch Tritteffizienz sicherstellen soll. 

Sehr überraschend ist, dass der Imperial allerdings rund 65g schwerer als der wenige Jahre zuvor auf den Markt gebrachte Prolight Techlace, Giros Radschuh mit Schnürung und zudem der leichteste Rennradschuh auf dem Markt, ist.

In Größe 42,5 wiegt der Imperial laut Giro allerdings immer noch nur 215g, womit er nach wie vor ein sehr leichter Rennradschuh auf dem Markt ist. 

Dem derzeit allgemeinen Trend im Rennradsport, dass Gewicht nicht alles ist, hat sich offenbar aber auch Giro inzwischen angeschlossen. 

Im Test: Giro Imperial

Giro Imperial im Test – meine Erfahrungen (u.a. beim RATA)

Von Frederik Böna (@frederik_boena)

Als ich den Giro aus dem Karton hole, bin ich sofort positiv überrascht. Das Gewicht – er fühlt sich echt leicht an! 

263g wiegt der einzelne Schuh in Größe 45,5 (ohne Cleat natürlich). So einen leichten Rennradschuh hatte ich bis dato noch nicht. 

Besonders angetan bin ich aber von der eleganten und aufgeräumten Optik des Schuhs.

Mein rotes Modell sieht sehr edel und hochwertig aus. Das Obermaterial aus einteiligem Synchwire™ Material mit thermisch verschweißtem Teijin® Netzgewebe, sieht sehr dünn und fein aus.

Man kann an manchen Stellen sogar durch das Obermaterial hindurchsehen. 

Drehverschlüsse

Auch die beiden Twin Boa® IP1 Drehverschlüsse an jedem Schuh wirken sehr hochwertig und lassen den Schuh schlank erscheinen. 

Was das Obermaterial betrifft, war ich zunächst skeptisch, wie stabil eine so dünne und feine Struktur sein würde. Beim Fahren wirkte sich genau dieses Obermaterial aber von Anfang an sehr positiv aus.

Mir kam es bereits bei einer ersten Probefahrt so vor, als würde sich das Material wie eine zweite Haut an meinen Fuß schmiegen.

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Lediglich auf die Wahl der Socken sollte man beim Imperial achten, denn deren Farbe kann durchaus deutlich durch das dünne Obermaterial hindurch schimmern.

Keine Probleme (v.a. Druckstellen) beim Race Across the Alps

Instabil wirkte das Synchwire™ Obermaterial jedenfalls nicht. 

Druckstellen traten bei mir mit dem Giro Imperial dank der Soft-Lace Schlaufen zu keinem Zeitpunkt auf.

Selbst während des Race across the Alps, als ich rund 23 Stunden unterwegs war und den Imperial trug, fühlten sich die Schuhe bis zum Schluss sehr bequem an. 

Die Twin Boa® IP1 Drehverschlüsse sorgen dafür, dass sich der Schuh sehr fein justieren lässt, auch beim Fahren. Dreht man einen der Drehverschlüsse minimal, verstellt sich der Schuh um gerade einmal einen Millimeter. 

Öffnen und ausziehen lässt sich der Schuh ganz leicht, indem man einfach die Drehverschlüsse nach oben zieht, was die Schlaufen sofort lockert.

Zieht man ihn dann wieder an, muss man die Drehverschlüsse dementsprechend zuerst wieder nach unten drücken, um die Schlaufen zu fixieren.

Freddy berichtet vom RATA

Carbonfaser-Sohle beim Giro Imperial

Danach kann man durch Drehen der Verschlüsse den gewünschten Halt wieder exakt einstellen und beim Fahren gegebenenfalls  nachjustieren. 

Die Easton® EC90-SLX2-Carbonfaser-Sohle überzeugte mich auf Anhieb. Sie ist sehr steif, die Kraftübertragung empfand ich als hervorragend und deutlich besser als bei Schuhen, die ich in der Vergangenheit immer gefahren bin. 

Der Schuhabsatz lässt sich austauschen, was durchaus praktisch sein kann, wenn man ihn durch vieles Gehen abgelaufen haben sollte.

Allzu schnell sollte das meiner Meinung nach aber nicht passieren. Auf mich machte der Schuhabsatz durchaus einen sehr stabilen Eindruck. 

Wie bei den meisten anderen Giro-Schuhen auch, lässt sich das Fußgewölbe unterstützen, indem das Fußbett mit verschiedenen Einsätzen gehoben oder gesenkt wird. So lassen sich die Einlagen individuell an den eigenen Fuß anpassen. 

Giro Imperial

Durch das niedrige Gewicht ist der Giro ein Schuh für die Berge!

Giro bewirbt den Schuh damit, dass man vor allem an längeren, steilen Anstiegen sehr von ihm profitiert.

Meine eigenen Eindrücke, u.a. beim Race across the Alps, bestätigen dies. Dadurch, dass der Schuh sehr leicht und sehr bequem ist, fühlt man sich auch an langen Anstiegen wohl mit ihm.

Gleichzeitig ist er auch sehr steif, sodass mir die Kraftübertragung extrem gut und direkt vorkam. Lediglich bei harten, kurzen Antritten hatte ich hin und wieder das Gefühl, dass das Obermaterial zu „weich“ ist und ein wenig zu sehr nachgibt. 

An- und Ausziehen

Im Alltag erwies sich der Schuh schon allein dadurch sehr praktisch, dass man ihn sehr schnell ein- und ausgezogen hat.

Ideal, wenn es schnell gehen muss.

Dünnes Obermaterial könnte reißen

Ich persönlich halte den Schuh trotzdem nur für bedingt alltagstauglich. Aufgrund des sehr dünnen Obermaterials ist die Gefahr im Alltag meiner Meinung nach recht groß, den Schuh irgendwo unglücklich aufzureißen. 

Insgesamt ist der Imperial aber ein sehr guter und leichter Rennradschuh, der vor allem Fahrerinnen und Fahrer anspricht, die gerne viele Höhenmeter bewältigen.

Für sprintstarke Fahrertypen halte ich ihn für weniger gut geeignet. 

Will man einen Schuh, mit dem man an langen Radmarathons in den Alpen oder sogar an Ultracycling-Events teilnehmen möchte, ist der Imperial eine sehr gute Wahl! 

Herzlichst,
Freddy

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